Kompostieren in der Wohnung ?!

  • Es gibt ja so einige Methoden, wie kompostieren auch in einer Wohnung ohne Garten möglich ist. Leider kenne ich niemanden, der das macht. Mich würde interessieren wer hier seine Erfahrungen teilen kann. Besonders spannend sind für mich folgende Fragen:


    1. Welche Methode ist zu empfehlen und warum?

    2. Sind Bedenken bzgl. Geruchsbelästigung oder unerwünschten "Haustieren" berechtigt?

    3. Welche Mengen "Abfall" kann man bei der Wohnungskompostierung bewältigen?

    4. Wie viel Humus erhält man in welchem Zeitraum?

    5. Kann man die Mengen dann auch im Rahmen einer Balkonbepflanzung verwerten?


    Ich würde mich über Feedback freuen. Schön wäre auch, wenn jemand eine Anleitung zu Bau und Verwendung der eigenen Lösung mit einstellen könnte.

  • Ich habe auch schon darüber nachgedacht. Konnte mich bislang jedoch noch nicht dafür entscheiden.


    1. Welche Methode ist zu empfehlen und warum?

    Es gibt diverse Produkte z.B. die aus Japan kommende Bokashi Kompostierung. Leider habe ich keine Erfahrung damit. Wer sich dafür interessiert einfach mal ecosia fragen. Ich würde mich freuen auch darüber mehr zu erfahren. Eure Meinungen zu lesen …


    Ich lebe in einer Stadt, einen Garten habe ich nicht. Ich möchte aber die guten Solawi Abfälle dem natürlichen Kreislauf wieder zurückgeben. Sie in die Tonne zu werfen fühlt sich irgendwie nicht gut an. Ich habe mich dann erst Mal entschieden in einer Ecke vorm Haus einen Kompost anzulegen. Mit dem Vermieter habe ich darüber gesprochen, solange sich kein Mitmieter beschwert ist ihm das wohl egal.


    Ich habe mir eine Ecke ausgesucht, einen Holzrahmen zum Zusammenstecken besorgt und einfach angefangen. Selbstverständlich kommen dort nur grüne Abfälle rein. Wichtig zu beachten: kein Fleisch, Milchprodukte, Knochenreste verwenden. Sonst freuen sich die Ratten. Dann wäre sicher, dass sich Nachbarn beschweren! Bisher kann ich keine negativen Auswirkungen feststellen, keine fiesen Gerüche.


    Mittlerweile bin ich der Meinung: das Mikroklima hat sich in diesen Mini Bereich verbessert. Ich habe dazu auch noch eine kleine Wildblumensaat ausgebracht, eine Wasserschale bereitgestellt. Die Käfer und Insekten mögen es jedenfalls. Mit dem Kompostieren der Abfälle trage ich einen kleinen, positiven Beitrag für die städtische Tier- und Pflanzenwelt bei und geben dem Kreislauf eine Komponente wieder hinzu.

  • Ich lebe in einer Stadt, einen Garten habe ich nicht. Ich möchte aber die guten Solawi Abfälle dem natürlichen Kreislauf wieder zurückgeben

    Also ich habe bei Solawis gearbeitet, wo in den Verteilstationen "Kompost-Kisten" bereit standen. Es durften nur "Solawi-Abfälle" rein und sie wurden zur jeden Lieferung ausgetauscht !
    Vielleicht auch eine Möglichkeit ?

  • Milo danke für die Idee. Das könnte für einige Mitglieder evtl. eine Option sein. Für alle die, so wie ich über ein Depot versorgt werden eher nicht. Kompost abholen ginge ja noch am Mitmachtag, aber ich würde ja auch gerne meine Abfälle verwertet. Die so lange zu sammeln klappt sicher nicht.

    River deine Lösung mit dem Kompost im Garten ist natürlich optimal, ich brauche aber etwas für Wohnung, Keller oder Balkon. Was anderes ist bei mir nicht möglich. Über Bokashi würde ich auch gerne mehr Erfahren. Vielleicht gibt es ja hier jemanden der über seine Erfahrungen berichten kann? ;)

    Oder auch noch andere Ideen?!

  • Hallo und guten Morgen,

    gerade erst in der vergangenen Woche habe ich zwei Bokashi Eimer "gebastelt". Die Anleitung habe ich einem Youtube Beitrag entnommen und die grundsätzliche Idee dem Buch "Wie wir es schaffen, ohne Müll zu leben" dort findet man tolle Anregungen.

    Ich habe mir bei der örtlichen Pommesbude für jeden Bokashi zwei Ketchup Eimer für 0,50€ gekauft, dazu zwei Wasserhähne für Wassertonnen und Abdichtmasse.

    Sehr genial fand ich die Idee vom vergangenen Samstag, Christiane (?) aus der Solawi berichtete statt mit EM mit Brottrunk zu besprühen. Das teste ich nun.

    Viele Grüße von Christina

  • Hallo Alex, hallo Christina,

    ja, zwei ineinander passende Eimer oder Kunststoffkisten und ein dazu passender Deckel lassen sich zu einem Bokashibehälter umbauen. In den inneren Eimer habe ich einfach mit einem Holzbohrer ein paar Löcher gebohrt. Dabei nur mit sanftem Druck arbeiten, da das Material sonst reissen kann. Der äußere Eimer fängt die Bokashiflüssigkeit auf. Diese kann mit dem Hahn oder einfach durch Herausnehmen des inneren Eimers (wenn kein Hahn eingebaut wurde) gewonnen werden. Verdünnt ( 1:10 bis 1:100, sie ist sehr sauer) eignet sich die Flüssigkeit als Dünger. Jeweils nach Zugabe von zerkleinerten Gemüseresten habe ich mit 1:5 bis 1:10 verdünntem Kanne Brottrunk besprüht und mit einem mit Wasser gefüllten Zipbeutel abgedeckt, da die Milchsäuregärung eigentlich unter Luftabschluß stattfindet (wie bei Sauerkraut oder beim Fermentieren). Ist der Eimer voll, läßt man noch 4-6 Wochen stehen, dann hat meist eine gute Vergärung stattgefunden.

    Der Bokashi ist recht sauer. Er kann nun auf den Kompost gegeben werden, diesen verbessert und beschleunigt er enorm. Er kann auch kleinteilig im Beet untergearbeitet werden. Dann sollte jedoch mindestens 2 Wochen bis zur Aussaat oder Bepflanzung gewartet werden, da erst die Säure abgebaut werden muß.

    Bokashi ist also ohne Beet oder als Kompostierung nur auf dem Balkon eher nicht so gut geeignet.


    Da würde ich dann eher eine Wurmkompostierung empfehlen. Dazu kann man/frau die gleichen Eimer verwenden: zwei ineinander passende Eimer mit einem schließenden Deckel. In den inneren werden wieder Löcher gebohrt, dieses Mal jedoch maximal 1 mm Durchmesser. Für die Wurmkiste müssen auch Löcher in den Deckel gebohrt werden, da die Kompostwürmer Sauerstoff brauchen. Darauf kommt zerrissene Wellpappe als Bett. Dann die Kompostwürmer (Eisenia fetida würde ich empfehlen, andere Sorten fliehen gerne) mit etwas Komposterde, in der sie meist geliefert werden. Ich habe noch nicht ausprobiert, wie es mit Würmern aus meinem großen Kompost funktioniert, das mache ich vielleicht mal diesen Winter mit einer Kompostkiste im Keller. Meist empfehlen sich zwei Kisten, da nicht zuviel auf einmal gefüttert werden kann, wenn die Oberfläche etwa 2- 4 cm bedeckt ist, sollten die Würmer erst einmal arbeiten. Die Kisten dürfen nicht in der Sonne stehen und im Winter müssen sie frostfrei, besser ca. 15° C oder wärmer stehen. Bei Bedarf und sehr trockenen Gemüseresten mit Wasser besprühen, jedoch nicht zu nass.

    Zur Entnahme des Wurmkompostes kann man/frau einige Zeit nur auf einer Hälfte füttern, die Würmer verlassen dann die andere Hälfte, wo dann entnommen werden kann. Eventuell im äußeren Eimer aufgefangene Flüssigkeit ist ein sehr guter Dünger, der dem Gießwasser zugegeben wird.

    Viele Grüße

    Christiane

  • Hallo Axel,

    zu Frage 2:

    Es können Fruchtfliegen auftreten. Ach ich vergaß: für die Wurmkiste müssen auch Löcher in den Deckel gebohrt werden, da die Kompostwürmer Sauerstoff brauchen. Hier können dann eben Fruchtfliegen eindringen. Dagegen hilft diese Löcher (z. B. dann ein großes Luftloch) mit etwas Fliegengitter oder- netz (eventuell mit Heißkleber aufkleben) abzudecken.

    zu Frage 3:

    ich denke, die Menge, die bei der Solawi anfällt ist für eine Wurmkiste zu viel, dann eher für zwei oder drei. Ausprobieren.

    zu Frage 4:

    Es fällt eher mengenmässig wenig Wurmkompost an. Dieser ist jedoch hochkonzentrierter Dünger, ebenso auftretende Flüssigkeit in der unterer Kiste und weniger Ersatz für Pflanzerde.

  • Liebe Christiane, deine Antwort war sehr wertvoll, hatte Details vergessen, wie die Verdünnung des Brottrunks und der Beutel zum Auflegen, wobei mein Eimer ja luftdicht durch den Deckel ist, reicht das dann auch???


    Eine Regenwurmwanderkiste überlege ich auch, allerdings würde ich die gerne aus Holz für den Garten bauen. Hat dazu jemand Tipps?


    Viele Grüße von Christina

  • Dann kommt für mich wohl eher die Wurmkompostierung in Frage

    Bei einer Regenwurmkiste müsste bedacht werden was mit den lieben Tierchen im Winter passiert, wenns frostig wird :/



    Der Bokashi ist recht sauer. Er kann nun auf den Kompost gegeben werden, diesen verbessert und beschleunigt er enorm.

    Ich habe mal in einem Blog gelesen bzw. Video gesehen was die "urbanen" Japaner ohne Garten machen. Sie verwenden einen Zementeimer bzw. Zementwanne (Baumarkt) und vermischen die fermentierten Grünabfälle mit Erde. Lassen das einige Zeit gedeihen, bis er dann verwendet werden kann. 8)

  • Ja, das frostfest sollte die Wurmkiste im Winter stehen, da die Würmer sich ja nicht tiefer in den Erdboden verkriechen können. Ich hatte sie im Winter im Heizungskeller, es gibt Menschen, die sie in der Wohnung stehen haben. Oder die Würmer werden rechtzeitig in einem Garten ausgesetzt und dann beginnt es im Frühjahr mit neuen Würmern.

    Die Technik mit der Entäußerung im Zementeimer hört sich gut an.

  • Ihr habt mich inspiriert. Habe zwei Curryketchup-Eimer vom Imbiss organisiert (mein Ergebnis wird sicher sehr aromatisch riechen...) und Kanne Brottrank gekauft. So ein Hahn, wie man für die Regentonne draußen bekommen kann, schien mir ein bisschen teuer für das erste Experiment. Ich werds wohl erstmal mit einfach ausgießen versuchen. Oder ob es ein Weinkorken auch tut? Morgen leg ich los!

    Weil ich den nun schon mal da hatte, hab ich auch das erste mal im Leben Brottrank getrunken. Nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte, aber auch nicht wirklich lecker... Soll aber sehr gesund sein. Kann man den echt als Alternative zur EM Flüssigkeit nutzen? Auch um zum Beispiel Pflanzen zu stärken und ähnliches? Das würde mir gut gefallen. Denn immer von diesen Präparaten abhängig zu bleiben, ist keine so schöne Vorstellung.

    Ist es eigentlich möglich, aus einem Präparat einen eigenen Ansatz herzustellen, wie beim Natursauerteig?

  • Ich bin über ein Mailing von Transition Town auf ein Webinar am 28.11.2019 um 19:00 Uhr aufmerksam geworden.


    Damit es einfacher für euch ist, hier die Linksammlung:

    https://www.youtube.com/user/ANSTIFTUNGundERTOMIS

    https://www.edudip.com/w/344448

  • Hallo Alex und andere Interessierte!

    Ich habe zwei Bokashi-Eimer geschenkt bekommen. In einem schichte ich ca. 2 cm hoch von meinen Gemüseabfällen ein, dann besprühe ich es mit EM und gebe einen Eßlöffel BOKASHI-ORGANICO (d.h. ein Streumittel aus biologischem Material mit EM) darüber. Fassungsvermögen ca. 10l, wenn ein Eimer voll ist, lasse ich ihn zwei Wochen stehen und benutze in der Zeit den zweiten Eimer. Kommt bei meinem Zweipersonen-Haushalt prima hin. Wenn ich den befüllten Eimer öffne kommt mir ein erdiger Geruch entgegen, der etwas gesäuert ist, aber nicht unangenehm, wie bei einem zulange stehengelassenen Kompost-Sammel-Eimer. Auch habe ich im Bokashieimer nie Fruchtfliegen, wie es bei dem Sammeleimer häufig auftritt.

    Den fertigen Bokashi vergrabe ich im Garten oder gebe es in meine Komposttonne im Garten. Bei den kalten Temperaturen wie sie jetzt herrschen werde ich den fertigen Bokashi in einen Eimer mit Deckel umfüllen und bis zum Frühjahr aufbewahren.

    Zur Wirkung kann ich noch nicht soviel sagen, da ich erst im Herbst damit begonnen bin. Ich erwarte gute Ergebnisse, was den Humus betrifft.

    Ich habe einmal einen Eimer voll fertigen Bokashi von einer Freundin bekommen und ihn meinem Kompost hinzugefügt - die Regenwürmer haben sich explosionsartig vermehrt, das war sehr beeindruckend und überzeugend.

    LG Martina

  • Ich habe mir jetzt Bokashi-Eimer selbst gebastelt. Die Zehnlitereimer gab es an einer Imbissbude und beim Fischrestaurant hier in Rinteln! In den inneren habe ich jede Menge Löcher gebohrt, und zum Ausleeren kann man die ja einfach kurz auseinander nehmen. Als Fermentieransatz habe ich Kanne Brottrank genutzt. Bin ein bisschen unsicher, ob das die gleichen guten Ergebnisse bringt, wie die ausgeklügelten EM-Zusätze. Der Geruch ist doch recht säuerlich. Ob das dem Gemüse gut tut? Bin, wie Martina, gespannt auf das Frühjahr. Da wartet schon ein Stückchen Erde darauf, etwas aus Bokashi-fermentiertem Kompost wachsen zu lassen....

    Außerdem habe ich vor, zwei alte Regentonnen quasi als Minihochbeete zu nutzen, und dort auch eine Schicht vom Kompost einzuarbeiten. Wird spannend!