Der Geschmack von Laub und Erde - Wie ich versuchte als Tier zu leben von Charles Foster

  • Manchmal liest man ein Buch und am Ende denkt man: So, Schriftsteller, jetzt könnt ihr alle einpacken, den Griffel aus der Hand legen. Braucht euch nicht mehr anzustrengen. Das tollste Buch ist nämlich schon geschrieben… Genau so ging es mir mit „Der Geschmack von Laub und Erde“ von Charles Foster.

    Ein unglaubliches Lesevergnügen. Jede Menge Wissen und Weisheit paart sich mit köstlichem britischen Humor, Selbstironie und Understatement. Der Untertitel des Buches, „Wie ich versuchte, als Tier zu leben“, führt an das eigentliche Thema heran. Foster berichtet über das Leben von Dachsen, Füchsen, Ottern, Hirschen und Mauerseglern. Nichts allzu Ungewöhnliches möchte man meinen. Aber anders als alle (?) Wissenschaftler und Buchautoren zuvor, gewinnt der studierte Tierarzt, Jurist und Abenteurer seine Erkenntnisse nicht durch Beobachtungen, sondern indem er sich selbst in die Lebenssituation „seiner“ Tiere begibt.

    So gräbt er einen Dachsgang, in dem er gemeinsam mit Sohn Tom (8 Jahre) – Dachse sind Familientiere - viele Tage verschläft, um dann nachts auf allen Vieren, schnüffelnd und Regenwürmer kostend durch sein Revier zu streifen.

    Dem Lebensgefühl des manischen Otters (Foster mag Otter nicht besonders), dessen Stoffwechsel ihn zur reinsten Killermaschine macht (als Mensch müsste man beim gleichen Energieumsatzman achtundachtzig Big Macs in sechs Stunden verputzen!), versucht Forscher über lange Schwimm- und Tauchgänge in einem kleinen Fluss auf die Spur zu kommen. Auch hier wird die Familie mit eingespannt. Foster hat sechs Kinder. Die bekommen den Auftrag ihr großes Geschäft nach Otterart zum Markieren an geeigneten Plätzen im Flussverlauf zu erledigen. Später geht man dann, ganz ottermäßig, daran, an den Haufen zu schnüffeln, um herauszufinden, wer sie hinterlassen hat…

    Stadtfüchse haben es Foster besonders angetan. Es müssen Bilder für die Götter gewesen sein, wenn Fuchs-Foster die Mülltüten seines Londoner Stadtviertels mit dem „Maul“ aufriss, um sie zu durchwühlen und Essbares zu finden. Der Schlafplatz, der erst standesgemäß unter Büschen eines öffentlichen Parks lag, wurde schließlich in den eigenen Hinterhof verlegt. Ein Parkwächter, der den Ruhenden aufstöberte, fand die Antwort, man läge hier, um sich wie ein Fuchs zu fühlen, nicht besonders überzeugend…

    Im Hirsch begegnet Foster dem Tier, das er in jüngeren Jahren zu jagen pflegte. Ein bewegender Rollentausch.

    Und sich fühlen, wie ein Mauersegler? Da braucht es schon beinahe schamanische Fähigkeiten.

    Ich hoffe, ich konnte euch neugierig machen. Wäre doch vielleicht auch ein schönes Weihnachtsgeschenk?!