Alternativen zur „Vermaisung“ der Landschaft: Silphie-Anbau für die Biogasanlagen

Die Politik entschied: So etwas Gutes sollte gefördert werden. Die Landwirtinnen erhielten Unterstützung bei den notwendigen Investitionen und ein vergleichsweise hoher Preis für die Einspeisung von Strom ins Netz wurde festgelegt.

Doch seitdem spitzt sich die Lage für die in dieser Branche tätigen Bauern immer mehr zu. Die Erträge durch den anfangs hohen Kilowattpreis sind durch eine EEG Novelle 2014 drastisch gekappt worden. Die Abnahmegarantien sind einem Ausschreibungsverfahren gewichen. Das billigste Angebot hat die größten Chancen. Und nun laufen auch noch in Kürze die Fördergelder aus. Die Folgen sind bekannt. Landwirte setzen, um wirtschaftlich zu bleiben, heute überwiegend auf die im Biogassektor ertragreichste Pflanze, den Mais. Nur leider sind Maisfelder in Sachen Lebensraum und Artenvielfalt eine rechte Wüste! Es ist an der Zeit, nach Alternativen zu schauen.

Silphie

Mit der Donau-Silphie, einer bis zu drei Meter hohen gelb-blühenden Staude, die ursprünglich aus Nordamerika stammt, scheint nun ein Lichtstreif am Horizont aufzutauchen. Die Pflanze ist von Süddeutschland kommend jetzt auch bei uns im Norden auf dem Vormarsch. So gibt es zum Beispiel in meiner Heimat, dem Weserbergland, genauer im Auetal, Ortsteil Escher, eine Fläche, die auf gemeinsame Initiative von Imkern und Landwirt versuchsweise für den Silphieanbau genutzt wird. Es verwundert nicht, dass sich gerade Imkerinnen für solche Projekte einsetzen, denn im Gegensatz zum Mais, bietet ein Silphiefeld ihren geflügelten Schützlingen gerade in der blütenarmen Zeit von Juli bis September einen reich gedeckten Tisch.

Auch in anderen ökologischen Aspekten überzeugt die Staude

Sie braucht weder Herbizide noch Pestizide. Einmal gepflanzt breiten sich dichtes Wurzelwerk und Blätter aus und lassen keinen Raum für andere Ackerkräuter. Auch gegen Schädlinge jeder Art scheint die Pflanze recht wehrhaft zu sein. Dass sie mit der derzeit immer häufiger auftretenden Trockenheit zurechtkommt, hat sie mittlerweile auch unter Beweis gestellt. Im Autetal wurde sie 2018, im heißesten Sommer seit langem, ausgesät, hat dann den auch nicht viel feuchteren Sommer 2019 erlebt und sich trotzdem schon recht ordentlich entwickelt. Die Biomasse von Silphie, die im September/Oktober geerntet wird, sei etwas geringer als die von Mais, so die Angaben von Saatgutproduzenten. Dafür habe man jedoch auch deutlich weniger Arbeit und Kosten beim Anbau. Als Staude erscheint die Silphie schließlich jedes Frühjahr von allein wieder. Da müsse nur einmal gedüngt werden und bis zur Ernte im Herbst hätte man Ruhe. Zwanzig Jahre können diese Stauden auf dem Feld stehen, heißt es. Und auch die Aussaat sei mittlerweile kein Problem mehr. Während man anfangs mühsam vorgezogene Pflänzchen einzeln hätte setzen müssen, sei durch züchterische Arbeit die Keimfähigkeit beim Saatgut nun so weit gediehen, dass man die Silphie einfach drillen könne. Für das erste Jahr hätte man eine Zweisortendrillung entwickelt. Da würden abwechselnd eine Reihe Mais und eine Reihe Silphie in den Boden gebracht. Der Mais wächst dann zur Erntereife und die Silphie treibt darunter aus - im ersten Jahr nur niedrig und ohne Blüte. Durch diese Technik kommt es für die Landwirtin bei der Umstellung nicht zu Ertragsausfällen. Im zweiten Jahr wird dann schon mit der Silphie selbst ein Ertrag erzielt. Eine vielversprechende Entwicklung.

Bemerkung am Rande: Was wächst auf unseren Feldern?

Während ich für den Silphie-Artikel recherchierte stieß ich auf Zahlen, die mich zum Nachdenken brachten. In einem Bericht des Handelsblattes vom 21.11.2018, der sich sehr ausführlich mit der Sparte der Biogasanlagen auseinandersetzt, wurde erwähnt, dass in Deutschland 60 Prozent aller Ackerflächen für Futtermittelproduktion bestellt würden. Je 20 Prozent dienten der Lebensmittelproduktion und dem Anbau sogenannter Energiepflanzen. Also mich springt dabei direkt an, dass eine Umstellung unserer Ernährungsgewohnheiten auf weniger Fleischkonsum ein wesentlicher Schlüssel zur nachhaltigen Landwirtschaft sein muss. Dann könnten die Umwelt den Einsatz von Pflanzen zur Energieproduktion womöglich viel besser vertragen. Und noch eins ist mir klarer geworden: Preise von Wind- und Sonnenenergie lassen sich eigentlich nicht realistisch mit Biogasanlagen erwirtschaften. Wind und Sonne gibt es schließlich umsonst, aber Pflanzen müssen angebaut werden, und das kostet.


Die Fotos stammen von der Autorin selbst.