Die Buchautorin, die um die Ecke wohnt

Eine junge Monika


Da saß ich also am Brunnen auf dem Rintelner Marktplatz und hielt nach einer Unbekannten Ausschau, von der ich nur wusste, dass sie Monika Röttgen hieß und mit dem Fahrrad kommen würde. Aufmerksam musterte ich alle 60-plus Gesichter, die eintrafen, denn eine Monika, so meine Vermutung, musste so ungefähr zu meiner Generation zählen. Dabei machte ich mir Gedanken darüber, wie jemand wohl auf die Idee kommen könnte, ein Buch über klimafreundliche Küche zu schreiben. Bilder einer beschürzten, wohlmeinenden Gerne-Köchin und -Hausfrau mit eigenem Garten spukten durch meinen Kopf… Doch dann hielt da eine junge (na gut, für mich sind Vierzigjährige eben jung..) Frau, schlank, sportlich, alternativ-modern, mit dunklen kurzen Haaren am Brunnen an, schaute sich erst suchend und dann findend um und kam auf mich zu.


Wie man auf die Idee kommt, ein Buch über klimafreundliche Küche zu schreiben


Was dann folgte, war eine ausgesprochen anregende Stunde in der Eisdiele. (Für mich mit nicht besonders klimafreundlichem Espresso, für Monika mit vorbildlicher Apfelschorle). Die Frage, wie man auf die Idee zu einem Buch über klimafreundliche Küche kommt, war schnell beantwortet: Indem man schon eine Weile Kochkurse zu eben diesem Thema gibt, für die ein Skript entwickelt und dann entscheidet, dass man das hier zusammengetragene Wissen doch in Buchform noch weiter bekannt machen könnte.


Biografie und Buchprojekt: ein Superteam


Dass das Buch so umfassend, ansprechend, ermutigend, informativ, anregend und tiefgründig geworden ist, liegt ganz sicher in der Person und dem Leben von Monika Röttgen begründet. Die ist in mancherlei Hinsicht geradezu prädestiniert für dieses Thema. „Lesen und Schreiben war für mich immer schon elementar“, gibt die Wahlkalletalerin an. Nach dem Abi habe sie eine Weile Artikel für das Lokalblättchen verfasst. Danach studiert, Kunstgeschichte, Geschichte, Volkskunde. Und seitdem habe sie in unterschiedlichen Museen gearbeitet.

Museen heute sind ganz besondere Orte. Wer in diesem Bereich bestehen bleiben will, muss Staub, Mief, Unordnung und Langeweile hinter sich lassen. Moderne Museen brauchen gut durchdachte Konzepte. Man muss die Informationen für die Besucher ansprechend und auf didaktische Weise präsentieren. Kreativität, Gestaltungskraft, Bezüge zum Heute, zum Leben der Betrachter, sind gefragt.

Und all diese Aspekte findet man in Monika Röttgens Buch wieder!

Der Autorin, die, lernbegierig wie sie nun mal ist, neben ihrer Arbeit auch noch die Ausbildung zur PR-Fachwirtin absolviert hat, ist es gelungen, sowohl Kapitel mit trockenen Fakten, wie auch die mit verspielten Rezepten und Diy-Anregungen, in eine Form zu bringen, die man gern liest.

Gut durchdachte Bilder, der Schatz, der Stern, der Regenbogen, führen zusammen, was zusammen gehört und bleiben im Gedächtnis hängen. Der Stern beispielsweise, ist das Symbol, das bei der Auswahl von Lebensmitteln, die dem Klima nicht schaden, hilft: „S“ steht für saisonal, „T“ für tierfrei, „E“ für einfach, „R“ für regional und „N“ für naturbelassen.

Sehr gut hat mir auch die Textgestaltung im Buch gefallen. Immer wieder lockern Illustrationen (superschön, von Laura Laakso, die wohl auch den Flyer für den Dorfacker gestaltet hat…) die Seiten auf. Sätze oder einzelne Worte werden durch das Unterlegen mit Farbfeldern hervorgehoben. Anschauliche Grafiken bringen die im Text erwähnten Daten noch mal kompakt ins Bewusstsein. Kleine Exkurse greifen am Wegesrand Liegendes auf.

Gerade diese Ausflüge in ihren Extrakästen führen häufig in die Vergangenheit, also den Bereich, in dem sich Monika Röttgen qua Ausbildung und Arbeitsfeld besonders gut auskennt. Was kam noch vor zweihundert Jahren auf den Tisch? Was wurde angebaut? Wie machte man in der Vergangenheit Dinge haltbar? Welche Behältnisse kamen bei Aufbewahrung und Transport zum Einsatz? Fragen, deren Beantwortung durchaus Überraschendes und Erhellendes in sich tragen und die uns heute weiter zu helfen vermögen.


Das Buch selbst


Nicht nur die Autorin, die übrigens zwischen Stadt (Dortmund, wo sie im Dasa-Museum tätig arbeitet) und Land pendelt und in beiden Bereichen „bio-aktiv“ ist, auch das Buch selbst überraschte mich. Ich hatte ein eher Büchlein erwartet und fand stattdessen ein im Wortsinne schwer-wiegendes Werk vor. Monika Röttgens hat keinen Umwelt-Aspekt ausgelassen. Jede Menge „Faktensnacks“ zu „Klimatops“ und „Klimaflops“. Wasserverbrauch, Landverbrauch, Arbeitsbedingungen, Verpackungsarten, Co² Fußabdruck von allen wichtigen Lebensmitteln werden dokumentiert. Sprachlich verpackt sie Beunruhigendes in humorvolle Wendungen. Das hilft beim Verdauen. Und dann gibt es ja auch noch den Teil, der zeigt, dass wir selbst etwas tun können. Sehr wichtig! Und auch sehr sinnlich, dieser Teil! Kochen, Sachen selber machen, ausprobieren, experimentieren. Man merkt, dass die Autorin Spaß an diesen Dingen hat. Das wirkt ansteckend. Dabei verliert sie aber auch anders Gestrickte nicht aus dem Blick: Selbst Küchenmuffel und Eilige werden ein paar passende Anregungen für sich finden.


Was mich besonders beeindruckt hat


Ein Aha-Erlebnis hat mir das Buch schon beim ersten, noch überfliegenden Lesen beschert: Mir wurde klar, wie sehr wir mit unserem Einkaufsverhalten noch ganz am Ende der Produktionskette den CO² Fußabdruck eines Lebensmittels beeinflussen. Fahren wir mit dem Auto zum Supermarkt und kaufen, beispielsweise, einen Beutel Kartoffeln, ein paar Äpfel und eine Flasche Milch, dann vergrößern wir den CO²-Ausstoß für diese paar Dinge um den Wert, den unser Wagen für die Strecke verbrennt. Das ist dann womöglich im Verhältnis sehr viel mehr als der LKW-Transport quer durch Deutschland, den Milch oder Gemüse schon hinter sich haben. Denn so ein LKW transportiert schließlich Tonnen von Waren und nicht nur so fünf Kilogramm wie wir beim Einkauf mit unserem PKW.


Also doch lieber rauf aufs Fahrrad!

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    • Hier für alle Interessierten der Link zum Forumsbeitrag inkl. Bezugsquelle für das Buch. ;-)