Trockenheit

Zunächst bedeutet Trockenheit eine enorme Belastung für Pflanzen. Intensive und lange oder wiederholte Trockenphasen können auch robuste und teils uralte Bäume in ihrem Wachstum bremsen, sie langfristig schwächen oder sogar komplett zum Absterben bringen.

Phase 1: Trockenheit und Pflanzenwachstum

Um zu verstehen, warum das Pflanzenwachstum bei Trockenheit nicht mehr richtig funktioniert, muss man wissen, welche Funktionen Wasser in Pflanzen erfüllt. Im Gegensatz zu Mensch und Tier benötigen Pflanzen vor allem Wasser für ihr regelmäßiges Wachstum. Sie brauchen es, um im Rahmen der Photosynthese Kohlenhydrate und damit Nährstoffe zur produzieren. Fehlt der Wassernachschub, muss die Pflanze ihre Spaltöffnungen schließen, um ein Vertrocknen zu verhindern. Die Spaltöffnungen sind winzige Öffnungen in Blättern und Nadeln, über die Wasser verdunstet. Durch die Verdunstung entsteht ein Sog, der das Wasser aufwärts zieht und unter Ausnutzung des Kapillareffekts die gesamte Pflanze mit Wasser versorgt. Werden die Spaltöffnungen geschlossen, unterbricht die Pflanze damit aber nicht nur den Wasserstrom. Auch die Atmung der Blätter wird unterbrochen, denn über die Spaltöffnungen stoßen die Blätter Sauerstoff aus und nehmen Kohlenstoffdioxid auf. Dieses CO₂ wird ebenfalls für die Photosynthese gebraucht. Fehlt das Wasser und das CO₂, gerät die Fotosynthese früher oder später ins Stocken. Letztendlich produziert die Pflanze weniger Kohlenhydrate und wächst langsamer.

Phase 2: Langfristige Schwächung durch Trockenheit

Neben der Förderung des Wachstums hat die Photosynthese auch noch weitere Funktionen. Sie stellt die Energiequelle für die Zellen der Pflanzen dar. So wie wir Kraft aus dem Verzehren von Lebensmitteln ziehen, bekommen Pflanzen ihre Kraft über die Photosynthese. Die hier gewonnenen Kohlenhydrate sind die täglich Nahrung, welche die Pflanze braucht, um nicht zu „verhungern“. Auch um Verteidigungsmechanismen aufbauen zu können, wird die Energie aus der Photosynthese genutzt. Vergleichbar mit unserem Immunsystem produzieren Pflanzen Abwehrstoffe, um Schädlinge abzuwehren und Extrem-Wetterlagen zu bewältigen. Ein Beispiel für solche Stoffe ist das Baumharz, welches dem Befall von Borkenkäfern entgegenwirkt. Langfristig werden Pflanzen, deren Energiehaushalt durch Trockenheit leidet, also anfälliger gegenüber Schädlingen und anderen negativen Einflüssen. Besonders betroffen sind hiervon natürlich langlebige Pflanzen, wie die Bäume in unseren Wäldern. Noch dramatischer wird die Situation dadurch, dass einige Pflanzen in Notsituationen verstärkt Blüten und Samen ausbilden, um das Überleben der Art am Standort zu sichern. Was allerdings gleichzeitig zu einer weiteren Schwächung führt. Ist eine Pflanze erst einmal in einem solchen Notfallmodus, dauert es lange, bis die Erholung einsetzt. Im Falle von Bäumen kann sich eine Erholung sogar über Jahre erstrecken. Allerdings gelingt diese nur, wenn sie nicht durch eine erneute Trockenphase unterbrochen wird...


Fazit: Wir sollten uns über regelmäßige, ergiebige und „seichte“ Regenfälle freuen, auch wenn so ein Wetter mal nicht in unsere aktuelle Freizeitplanung passt.


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