Streuobstwiesen

Regelmäßiger Pflege- und Erziehungsschnitt


Baum einpflanzen und wachsen lassen? So einfach ist das mit Obstbäumen leider nicht. Am Anfang brauchen diese zum Beispiel erst einmal oft noch Stützen an ihren Seiten und einen Schutz vor hungrigen Rehen rundherum, was zusätzliches Buddeln und Bauen bedeutet. Und gerade in den ersten Jahren wollen Jungbäume fachmännisch begleitet sein, damit ihre Krone die für Obstbäume erwünschte Form annimmt. Nur das garantiert, dass sie gesund bleiben und gute Erträge liefern. Und so konnte man den ganzen Winter über unseren Gärtner Lothar, manchmal unterstützt durch einen kompetenten Helfer, grübelnd vor jungen Apfelbäumen stehen sehen, bevor er schließlich eine Leiter erklomm und zu Baumschere oder auch Band griff, um dem jeweiligen jungen Schützling wachstumsmäßig auf die Sprünge zu helfen. Bei der Anzahl unserer Jungbäume ist das ein recht arbeitsintensiver Job.


Die kleinen Extras


Doch damit nicht genug. Auf dem Vlothoer Winterberg genießen die Obstbäume sogar noch ein Wellness-Plus-Programm. Ihre Baumscheiben werden an Mitmachtagen von den Solawi-Mitgliedern frei gejätet und mit Kompost versorgt. Und dieses Jahr kamen die Stämme etlicher Jungbäume in den Genuss eines Anstrichs aus hellem Lehm, der schützende und nährende Wirkung haben soll.


Schwierige Zeiten für Obstanbau


Man muss jedoch dazu sagen, dass Obstbäume derzeit auch wirklich jede Unterstützung brauchen können. Die Dürre der letzten beiden Jahre, die sich, wie es den Anschein hat, auch heuer fortsetzen könnte, macht den Bäumen sehr zu schaffen. Gerade die jungen, deren Wurzeln noch nicht so tief ins Erdreich vorgedrungen sind, haben diese schwierigen Bedingungen nur überlebt, indem sie ihr Wachstum auf Sparflamme schalteten. Man sieht es ihnen an, dass sie zu kämpfen haben. „Mickrig“ findet unser Gärtner ihre Entwicklung und schaut sorgenvoll. „Kein Regen! Und dann noch die Wühlmäuse!“ ruft er aus.

Ja, den Wühlmäusen bekommen die milden Winter und die gute Versorgung auf Solawi-Äckern anscheinend richtig gut. Der Boden um die Obstbäume herum ist von ihren Mauselöchern geradezu perforiert. Wurzeln gehören zu den Lieblingsspeisen dieser Nager und wir konnten einige durch Mäusefraß eingegangene Obstbäume schon einfach mit der Hand aus der Erde ziehen. Ihre Wurzeln waren nur noch kurze Stummeln.


Und noch ein Versuch: Greifvögelstangen und Bewässerungssäcke


Gegen die Wühlmausplage lässt sich nicht allzuviel machen. Immerhin haben wir einige schöne Lande- und Beobachtungsplätze für Greifvögel errichtet. Vielleicht nehmen die das Angebot an und schnappen sich die eine oder andere Maus.

Das Wassermangelproblem lässt sich schon eher von Menschenhand lösen. Man kann wässern. Und da gibt es seit einiger Zeit ein recht elegantes, alltagstaugliches Verfahren: Wasserversorgung über sogenannte Bewässerungssäcke. Die Kunststoffsäcke werden um den Stamm herum gelegt. Sie lassen sich mit 60 Litern Wasser befüllen und geben dieses durch eine Membran dann langsam an den Baum ab. Das ist es nämlich, was Bäume mögen. Nicht einen Riesenschluck auf einmal, sondern sanftes Rieseln über einen längeren Zeitraum! Je nach Hitze und Trockenheit müssen sie ein bis zweimal pro Woche aufgefüllt werden, schätzt Lothar.


Mmhhh, Äpfel, Birnen, Pflaumen, Kirschen…


Man sieht, in der Solawi-Vlotho geben wir die Hoffnung nicht auf, dass wir auch in den kommenden Jahren leckeres Obst an unsere Mitglieder verteilen können.

Es gilt, sich an die verändernden klimatischen Bedingungen anzupassen und Lösungen dafür zu finden. Die Arbeit wird zukünftig allerdings eher mehr als weniger, das zeichnet sich jetzt schon ab.


Foto von der Autorin