Hinterwäldler – das Hobby unseres Solawi-Gärtners

Ach, die Berge…


Eigentlich würde er gern in den Bergen leben, unser Bauer. Also in den richtigen Bergen, den Alpen, nicht nur im hügeligen Lipper Bergland! Nun hat das Leben ihn aber doch hierher verschlagen und als kleinen Ausgleich mussten ein paar echte Bergkühe her. Anfangs sogar mit Glocke um den Hals. Bis die Nachbarn sich beschwerten…


Weide und Stall – Lebensräume unserer kleinen Herde


Zwei Färsen, die dann bald trächtig wurden, haben den Anfang gemacht. Derzeit besteht die Herde aus drei Kühen, einem weiblichen und einem männlichen Kalb. Ihr Leben sieht je nach Jahreszeit ganz unterschiedlich aus. Von etwa Mai bis Oktober können sie auf weitläufigen Weiden grasen. Die restlichen Monate verbringen sie im Stall, einem Laufstall. Der ist natürlich längst nicht so groß wie die Ställe von Mast- oder Milchbauern, die ja oft hunderte von Tieren beherbergen. Doch das Prinzip ist dasselbe: die Tiere können sich frei bewegen und soziale Kontakte untereinander pflegen. Der Stall hat einen überdachten Bereich und einen kleinen mit Gattern abgetrennten „Freiluftpaddock“. Türen dazwischen gibt es nicht. Die Luft kann zirkulieren. „Kälte macht den Tieren nichts aus“, sagt unser Bauer. „Und gegen Wind und Nässe sind sie hier geschützt. Und groß genug ist der Stall auch. Anders als zum Beispiel Pferde, brauchen Rinder nicht zwingend viel Bewegung.“


Dicke Stroh-Mist-Matte als Untergrund


Zudem gibt es im Stall Wärme von unten. Die Hinterwäldler stehen auf einer dicken Matte aus Stroh und Mist. Den ganzen Winter über wird täglich sauberes Stroh aufgebracht. Die unteren Schichten verdichten sich und in ihnen setzen Kompostierungsprozesse Wärme frei. Auch wenn es etwas skurril aussieht, wie die Matte jetzt im April an Höhe gewonnen hat – die Tiere müssen einen richtigen kleinen Abhang bewältigen, wenn sie in den Auslauf gehen, was sie natürlich leicht schaffen. Sind ja Bergkühe! - diese altbewährte Einstreumethode tut den Rindern gut. Anders als auf Spalten gehaltenes Vieh – dem derzeit üblichsten Untergrund! - haben unsere Hinterwäldler trockene Beine, saubere Bäuche und Schwänze, gesunde Klauen und Gelenke. „Die Matte ist oben trocken, warm und sauber. Die Tiere liegen hier sehr gern,“ weiß Bauer Lothar Warner.


Strohmist – ein idealer Dünger


Und nicht nur für die Rinder ist diese Matte aus Stroh und Mist gut. „Sie ist auch ein idealer Dünger“, meint Lothar. „Rindermist enthält sehr viele Bakterien. Die wiederum regen das Bodenleben an, wenn er auf das Feld gebracht wird.“ „Alles in Maßen“, fügt er hinzu. „Mist ist reich an Stickstoff, einem Element, das heutzutage oft im Übermaß vorhanden ist. Vor allem wenn Mist als Gülle auf den Boden gelangt. In dieser Form wäscht er sich besonders leicht aus und wandert so ins Grundwasser.“

Uneingeschränkt positiv wirke sich hingegen das untergemischte Stroh für den Boden aus. „Die Fasern der Strohhalme werden nur langsam zersetzt. Der in ihnen enthaltene Kohlenstoff, ein wichtiger Baustein des Lebens, wird erst nach und nach freigegeben. Zudem lockert Stroh den Boden auf und führt zur Bildung von Dauerhumus.“


Rinder und Feldwirtschaft gehören zusammen. Da ist sich unser Bauer sicher. Eine Haltung, die vom Demeterverband geteilt wird.


Foto von der Autorin selbst