Voll im Trend

Wer A sagt, muss auch B sagen…


Wenn das ein neuer Trend wird, das Selbstanbauen, bin ich in den vordersten Reihen dabei! Und alles, weil ich hippe Ideen so gern mag. Zum Beispiel Bokashi-Kompostierung, diese faszinierende Möglichkeit, Küchenabfälle zu einem Bodenleben fördernden Material zu fermentieren. Damit habe ich im Winter begonnen, und schnell stellte sich die Frage, wohin mit dem guten Dünger. So kam eins zum anderen. Ich fragte meinen Vermieter, ob ich ein kleines Beet in der Wiese anlegen durfte, bekam positiven Bescheid, grub um, arbeitete Bokashi-Kompost unter, bedeckte alles mit in Eimern herangeschaffter Maulwurfshügelerde und ein bisschen welkem Grasschnitt vom Vorjahr, und voilá: da hatte ich mein erstes Gemüsebeet.


Unerwartete Freude


In den Monaten des ausklingenden Winters ertappte ich mich häufig dabei, dass ich Tagträume rund um das Beet, um Blumentöpfe, Hochbeetvariationen zu spinnen begann.

Gartenbücher hielten Einzug in meine Wohnung und irgendwann konnte ich beim Vogelfutter Kaufen den bunten Samentütchen im Raiffeisenmarkt nicht mehr widerstehen.

Solch eine Verlockung! Ein Set aus Kokosfasern, Petersilien- und Schnittlauchsamen kam in den Einkaufskorb und gleich darauf auf die Fensterbank. Frühestmögliche Aussaatdaten für Borretsch, Kapuzinerkresse, Mangold, Feuerbohne, wurden fein säuberlich in den Kalender eingetragen. Vorfreude pur!


Es fängt an zu wachsen


Und mittlerweile konnte ich das Wunder, dass aus so kleinen Samen ganze Pflanzen entstehen, schon weiter beobachten. Die Petersilie hat die ersten typischen krausen Blätter entwickelt. Der „Neckarriese“, ein Kopfsalat, hat sich immerhin schon zu einem „Neckarzwerg“, zum winzigen Keimling entwickelt, von denen einige schon vereinzelt werden konnten. Die stehen jetzt neben Petersilie und Schnittlauch im Wohnzimmerfenster.

Und draußen, im „Freiland“ bestaune ich Abend für Abend die Fortschritte, die die beiden Reihen mit Rukola und Radieschen täglich gemacht haben.


Es hat etwas Spielerisches


Als Solawi-Mitglied bin ich nicht wirklich auf Erträge aus dem eigenen Garten angewiesen. Einzig frische Kräuter vor der eigenen Haustür oder vielleicht auch Beeren vom eigenen Strauch wären eine wirklich sinnvolle Ergänzung zum tollen Solawi-Angebot. Trotzdem erscheint es mir sinnvoll und wunderbar, ein klein wenig Gemüse auch selbst anzubauen. Als Mithelferin bei den Solawi-Arbeitseinsätzen bekomme ich doch immer nur einzelne Schritte vom Wachsen, Pflegen und Ernten mit. Zudem ziehen wir in unserer Gemeinschaft das Gemüse nicht selbst aus Saaten an, sondern werden von einem auf Anzucht spezialisierten Betrieb mit jungen Pflanzen beliefert. Die Erfahrung, hier auf der eigenen Fensterbank und im eigenen Beet, die Entwicklung von Samen zu Pflanze und Frucht miterleben zu können, ist da noch mal eine echte Bereicherung.

Und: das Ganze hat Leichtigkeit. Es darf auch etwas schief gehen, ohne dass das wirklich bedeutende Folgen hätte. Ganz anders als in der Solawi, wo viele Menschen von einer guten Ernte abhängen!

Und so freue ich mich einfach auf meinen ersten Sommer, der im Rhythmus eines kleinen Gemüsebeetes schwingt. Ob der Bokashi-Dünger wohl wachstumsfördernd wirkt? Was machen die Schnecken dieses Jahr? Und das Wetter?


Fotos von der Autorin