… dann eben doch über Corona!

Forumsredaktion um die Hälfte dezimiert


Schon dass ich mich heute an die Tastatur setze, hat mit Corona zu tun. Denn eigentlich wäre Alex, die andere Hälfte unseres Team „dran“. Doch der hat als IT-ler eines Unternehmens alle Hände voll zu tun, die dortigen Auswirkungen des Virus zu managen und hat sich vorerst von der kreativen Schreibarbeit abgemeldet. An dieser Stelle möchte ich gern erwähnen, dass wir uns immer, nicht nur in Krisenzeiten, über Gastartikel freuen. Wenn ihr Kenntnisse, Leidenschaften, Gedanken habt, die andere interessieren könnten, dann schreibt doch darüber und schickt die Texte an Alex oder mich!


Ein subjektiver Bericht


Man kann auf die unterschiedlichsten Arten über das Corona Virus berichten, und ich wähle an dieser Stelle einen persönlichen Blickwinkel. Einen, der mein eigenes Erleben und das der nächsten Menschen um mich herum aufnimmt.

Ich und wir gehören einer Gruppe von Menschen an, die schon seit geraumer Zeit glaubt, dass es so, wie es ist, nicht mehr lange gut gehen kann. Wir sind aus Überzeugung Mitglieder einer Solawi, weil wir den regionalen, ökologischen Anbau fördern wollen. Müllvermeidung, Energie sparen, fair Einkaufen, weniger sinnlos Konsumieren gehört für uns zum vertrauten Gedankengut. Schließlich sind wir fortschrittliche Menschen und wollen nicht so gleichgültig sein, wie die große Masse! (denkt euch hier ein Augenzwinkern) Und gleichzeitig sind wir doch Kinder unserer Zeit. Wir kennen keine Entbehrungen, außer der selbst auferlegten. Keinen Hunger, außer bei Diäten. Keine harte Arbeit, außer bei unserer Hobbygartenarbeit und ähnlichem. Keinen Kampf ums Überleben, es sei denn, wir nehmen an einem „Leben in der Wildnis-Seminar“ teil. Stattdessen haben wir unser Leben lang die Erfahrung gemacht, dass alles immer im Überfluss vorhanden ist. Wünsch dir was, und du hast es schon. Auf dieser Basis waren alle Szenarien von einem tiefgreifenden Systemwandel, die wir uns vorstellten, höchst theoretisch.


Theorie und Wirklichkeit


Selbst unser Bauer, der sich bei der Gründung der Vlothoer Solawi eben auch von dem Ausblick auf eine möglicherweise krisenhaften zukünftigen Entwicklung hat leiten und motivieren lassen, wirkt heute, wo ihn die eigenen Vision einzuholen scheint, verunsichert. Wir kennen ihn als fürsorglichen Menschen, den Gedanken darüber umtreiben, wie er „seine“ Mitglieder noch umfassender versorgen kann. In schlechten Zeiten. Doch wenn du ihm heute begegnest, ist er genauso überrumpelt, wie alle anderen. „Dass sich das so anfühlen würde, hätte ich nicht gedacht“, meint er und man sieht, dass er beunruhigt ist.


Was ist, wenn Verzicht nicht mehr freiwillig ist?


Wenn ich mir über zukünftige Veränderungen Gedanken mache, habe ich übrigens nicht die aktuelle Situation, in der es um bestmöglichen Schutz in gesundheitlicher Hinsicht geht, vor Augen, sondern es sind eher die möglichen langfristigen Folgen auf wirtschaftlicher Ebene, die mir Sorgen bereiten. Die Logik, der Wirtschafts- und Finanzwesen folgen, ist mir ein großes Rätsel, und ich habe keine Ahnung, was es bedeutet, wenn jetzt viele Staaten Neuverschuldungen in Milliardenhöhe beschließen. So ein Nicht-Wissen schürt Ängste, und zu den Szenarien, die vor meinem inneren Auge entstehen, gehören welche von Knappheit, Armut und Not.

Gleichzeitig taucht die Ahnung in mir auf, dass sich eine solche ganz reale Knappheit womöglich komplett anders anfühlt, als die freiwillige Bescheidenheit, die ich (und viele, die ich kenne) mir selbst auferlegt habe. Wie werden wir damit umgehen können?


Was wir gelernt haben ist nicht umsonst


Dabei gefällt mir der Gedanke, dass unser Erfindungsreichtum, unsere Kreativität, unsere Freude am Miteinander, die wir als Grüne, Bios, Müslis, Hobbygärnterinnen, Brotbäcker, Tischlerinnen, Köche, Fahrradbastler, Beerensammlerinnen schon gemacht haben, uns eine Hilfe in jedweder vorstellbaren Zukunft sein werden. Unser Lernen war sicher nicht umsonst und wird uns, wenn auch vielleicht unter anderen Vorzeichen, nämlich denen der Notwendigkeit anstatt aus reinem Vergnügen – weiter dienen. Und wer weiß das schon, vielleicht bleibt das Vergnügen dabei ja sogar erhalten!


Nicht nur hypnotisiert ins Außen schauen


Ich ertappe mich dieser Tage selbst, wie ich wie hypnotisiert den Entwicklungen im Außen folge. Wie verbreitet sich das Virus? Bei uns in Deutschland. In anderen Ländern. Was beschließt die Politik? Gibt es neue Verhaltensregeln? Wie wird denen geholfen, die jetzt finanziell in Notlagen geraten?

Was mir dabei so völlig verloren geht, ist meine innere Vision, was Leben jenseits von interessanten Ablenkungen, Vergnügungen, hektischer Betriebsamkeit, von Gedankenkarusselen und Betäubung wohl sein könnte. Dabei habe ich mich damit doch schon lange befasst! Und jetzt starre ich wie das Kaninchen auf die Schlange und fühle mich, wenn ich überhaupt etwas fühle, wie ein winziges, ohnmächtiges Geschöpf, das einer unbegreiflichen äußeren Situation ausgeliefert ist.

Mit dieser Erkenntnis versuche ich ab sofort, wieder da anzuknüpfen, wo ich mich vor der Corona-Krise befand. Bei mir selbst, meinem Herzen, meinem Atem, bei dem Bemühen um Gegenwärtigkeit und „Wirklich-Dasein“, beim aufmerksam und zugewandt sein, im Kontakt mit anderen und mir selbst.

Wie kann sich sinnvolles, erfülltes Leben anfühlen, wenn wir die Kauf- und Spaßgesellschaft hinter uns lassen? Das ist die Frage, die mich, wenn ich ganz genau hinhorche, derzeit am meisten beschäftigt.


Bleibt gesund!



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