Nahrungsmittel-Hypes

Einführung mit einem Schlenker und Hintergedanken

Als ich kürzlich für den Gaia-Artikel recherchierte (Schlenker) kam ich am Thema Regenwald und seine Bedeutung für die Erdatmosphäre nicht vorbei. Der Gedanke an die Rodung dieses herrlichen Waldes fühlt sich schrecklich an. Er bringt mein Herz dazu, sich schmerzhaft zusammenzuziehen und wirkt auf mich normalerweise so bedrückend und bedrohlich, dass ich am liebsten einen Bogen um ihn mache. (Vogelstraußmethode). Aber, wie gesagt, der Text über Gaia hat mich aufgerüttelt. Es wurde mir klar, dass auch wir hier im entfernten Europa eine Mitverantwortung tragen, dass Energie – sprich Geld – von hier in die Projekte zum Schutz des Regenwaldes fließen muss. (Hintergedanke!) Auf der Seite von www.regenwald.org wurde ich fündig. Diese Organisation unterstützt Anpflanzungen und kauft Regenwaldgebiete auf, die dann von Ureinwohnern nachhaltig bewirtschaftet werden.

Zur Sache

Und auf ebendieser Seite stieß ich auf eine Petition. Hier konnte man sich dem Protest gegen den Verkauf von Wasserrechten in Chile anschließen. Dort haben große ausländische Konzerne sich das lukrative Geschäft mit Avocados unter den Nagel gerissen, und das Recht auf Grundwasser der betreffenden Region für die notwendige Bewässerung dieser begehrten Pflanzen gleich dazu. Es bleibt nicht genug Wasser für die Felder der kleinen Bauern drumherum übrig. Der Grundwasserspiegel sinkt und die gesamte Umgebung trocknet mehr und mehr aus. Schon früher habe ich Gerüchte gehört, dass das Geschäft mit Avocados heute geradezu mafiöse Strukturen entwickelt hat. Es ist ungefährlicher als Drogenhandel und verspricht offensichtlich eine ähnlich verlockende Gewinnspanne. Wie ist das möglich?

Gesundheitsbewusstsein und gehypte Lebensmittel

Das Gesundheitsbewusstsein in immer größeren Bevölkerungsteilen der westlichen Industriestaaten steigt. Das ist gut. Und wir haben beim Einkaufen nicht nur Zugriff auf all die guten Dinge, die in der eigenen Klimazone wachsen, nein uns steht das weltweite Angebot von Lebensmitteln zur Verfügung. Lebensmittel sind immer auch Heilmittel (wusste schon Hippokrates) und anscheinend bringt jede Landschaft, jede Zone und jede Region ihre eigenen Pflanzen hervor, um die menschlichen und tierischen Bewohner gesund zu erhalten. Genau solche Früchte können das Verlangen der Menschen in den reicheren Ländern wecken. Sie versprechen ursprüngliche Heilkräfte. Ihre Fähigkeit, freie Radikale zu fangen wird gepriesen. Die Zusammensetzung und die Menge von Vitaminen, Mineralien und sekundären Pflanzenstoffen scheint herausragend. Wertvolle ungesättigte Fettsäuren liefern Argumente, sie unbedingt in den eigenen Speiseplan aufzunehmen. Die Avocado ist eines dieser begehrten fremden Nahrungsmitteln. Gleich neben Goji-Beeren aus Asien, Chiasamen aus Mexiko und Quinoa aus Südamerika sind sie aus den Regalen unserer Supermärkte und Bioläden nicht mehr wegzudenken.

Die Anbaugebiete sehen wir nicht…

Ein großes Problem bei dem Konsum dieser gehypten Lebensmittel liegt darin, dass wir nicht sehen, was die schlagartig ansteigende Nachfrage für die Menschen in den Anbaugebieten bedeutet. Werden da Flächen, die eigentlich zur Versorgung der einheimischen Bevölkerung nötig wären, für unsere Gier nach Besonderem umgenutzt? Wird da Regenwald abgeholzt, um eintönige Palmöl- oder Bananenplantagen anzulegen? Nimmt man der Bevölkerung die Möglichkeit, sich selbst auf eigenem Land zu versorgen und treibt sie in die sklavenähnliche Abhängigkeit als Plantagenarbeiter? Werden da fern von uns und doch allein zu unserem Nutzen ganze Landstriche mit Pestiziden und Herbiziden verseucht? Wie wirkt es sich für die kleinen Farmer aus, wenn der Hype, auf den sie gesetzt haben, so plötzlich nachlässt, wie er gekommen ist? Wir sehen es nicht. Das macht es leicht, die Augen vor den Folgen des eigenen Kaufverhaltens zu verschließen.

Für vieles gibt es einheimische Alternativen

Im Grunde können wir davon ausgehen, dass wir Heil- und Nahrungsmittel, die wir brauchen, vor der eigenen Haustür finden. Leinsaat ist so ein wunderbar vielseitiger Tausendsassa. Sogar zur Herstellung von Textilien geeignet! Zur Entschärfung der ausbeuterischen Lage dienen auch all die Bemühungen, für gut befundene Nutzpflanzen hier in Europa anzubauen. Sojabohnen wachsen mittlerweile auch im Bodenseegebiet. Goji-Beeren kann man im eigenen Garten anpflanzen. Und auch das Quinoa im Bioladen stammt mittlerweile aus europäischen Anbaugebieten. Hier vor Ort lässt sich kontrollieren, ob der Anbau umweltfreundlich ist. Besorgniserregende Auswüchse, wie zum Beispiel die Vermaisung der Landschaft nach dem Biogasanlagen-Hype, bleiben nicht unbemerkt. Es kann gegengesteuert werden.

Auf manches mag auch ich nicht verzichten…

Dann und wann eine Banane, jeden Tag mein leckerer Espresso, gern zwischendurch Schokolade… Auf manche Frucht aus fremden Ländern mag auch ich nicht verzichten. Aber schaut doch bei diesen Dingen darauf, dass sie unter fairen und ökologischen Bedingungen hergestellt werden. Dann nützt unser Konsum tatsächlich auch den Menschen in den fernen Anbaugebieten.


Foto Huff Post