Permakultur-Prinzipien – Ein kleiner Einblick

Anbau ohne Eingriff ins Ökosystem

Eine funktionierende Permakultur bietet die Chance, landwirtschaftliche Produkte in einem möglichst natürlichen Kreislauf anzubauen und zu ernten. Damit könnten umweltschädliche Eingriffe in das Ökosystem vermieden oder zumindest signifikant reduziert werden. Die Idee der Permakultur verspricht durch das Zusammenspiel verschiedener Pflanzen und Tiere robustere Nutzpflanzen und eine reichhaltigere Ernte. Und das ganz ohne den Einsatz von Agrarchemie.

Überdenken der Anbaumethode

Damit ist klar, dass eine Umsetzung der Methode ein grundsätzliches Überdenken der Anbaumethode, wie sie in der konventionellen Landwirtschaft üblich ist, notwendig macht. Aber eine Umstellung kann lohnen. Das Prinzip führt automatisch zu mehr Artenvielfalt, eine Steigerung der Qualität unter ökologischen Gesichtspunkten und höheren Ertrag. Über das Thema Permakultur wurden ganze Bücher geschrieben, so dass im Rahmen dieses Beitrags nicht die theoretischen Gesamtzusammenhänge darstellbar sind. Aber dennoch möchte ich auf einige einfach nachzuvollziehende Prinzipien eingehen.

Von der Natur lernen

In der Natur findet man eine Pflanze immer genau an der Stelle, wo die Bedingungen optimal für sie sind. Damit ist es nur logisch, eine Kulturpflanze gemäß ihren Bedürfnissen auch nur dort anzupflanzen, wo die Bedingungen von Natur aus passend sind!

In der „wilden“ Natur ist der Boden in der Regel nicht kahl. Meist findet man neben dem Pflanzenbewuchs auch immer verrottende Biomasse, wie Blätter, Äste oder ähnliches. Hier lebt eine große Zahl an Mikroorganismen, die durch ihre Arbeit wertvolle Nährstoffe für die Pflanzen produzieren. Darüber hinaus wird eine natürliche Schutzschicht gebildet, die beispielsweise eine schnelle Austrocknung des Bodens verhindert. Wasser wird gespeichert und längere Trockenperioden können von den Pflanzen leichter bewältigt werden. Ein Vorbild für die Permakultur! Auch hier kann der Boden durch geeignetes „Biomaterial“ geschützt werden.

Vielfalt statt Monokultur

Monokulturen haben den Nachteil, dass der bewirtschaftete Boden einseitig belastet wird. Die angepflanzte Kultur laugt den Boden entsprechend der eigenen Bedürfnissen aus. Auf Grund einer vergleichbaren Wurzeltiefe aller Pflanzen der Kultur verläuft dieser Prozess umso schneller. In einer vielfältigen Permakultur werden verschiedene Arten, die ihre Nahre aus unterschiedlichen Bodenschichten beziehen, gemischt. Dieses Mischen wirkt sich positiv auf die Bodenqualität aus. Und nicht nur das: Pflanzen können sich sogar gegenseitig im Wachstum unterstützen und sich vor Schädlingen schützen. Damit werden die Kulturpflanzen auf natürliche Art widerstandsfähiger und brauchen keine Agrarchemie mehr. Am besten funktioniert dies übrigens mit regionalen und sogenannten „alten Gemüsesorten“. Doch auch in der Permakultur bleibt es wichtig, die Fruchtfolge zu beachten und Gründüngung einzusetzen, um auf lange Sicht eine hohe Bodenqualität zu erhalten und diese sogar noch zu verbessern. Bemerkenswerterweise kommt man bei diesem Vorgehen ganz ohne den Einsatz von Düngemitteln aus.

Systeme zulassen

Systeme von Pflanzen, Tieren und weiteren Faktoren können sich gegenseitig positiv beeinflussen. In einer Permakultur sollte man aus diesem Grund nie einen Teil des „Ganzen“ allein betrachten. Es macht Sinn, darüber nachzudenken, wie einzelne Bestandteile der Kultur innerhalb eines Systems in Beziehung gesetzt werden können. So kann die Eigenschaft einer Hecke als Winddeckung mit einer weiteren Eigenschaft kombiniert werden. Konkret: Eine Brombeerhecke könnte zusätzlichen Ertrag bringen! Damit liefert die Hecke neben ruhiger Luft beispielsweise noch Beeren, Vogelfutter oder andere Eigenschaften, die man essen oder anderweitig im Sinne eines funktionierenden Ökosystems nutzen kann. Jeder Bestandteil der Permakultur kann, oder besser noch- sollte, möglichst viele Funktionen erfüllen.

Systeme ermöglichen Kooperation

Mit dem Zulassen oder bewusstem Schaffen von Systemen wird die Kooperation verschiedener Tiere, Pflanzen und anderer Elemente erst ermöglicht. Der aktuell häufig geforderte Blühstreifen, zum Beispiel, ist ein Zuhause für die zur Bestäubung so wichtiger Insekten, bietet aber auch Lebensraum für viele weitere Arten. Aber auch „unbelebte Elemente“ können eine wichtige Rolle spielen. In der Solawi Vlotho wurden kürzlich Sitzpfähle für Raubvögel aufgestellt. Ziel ist es, den lästigen Wühlmäusen, die den Obstbäumen zusetzen, etwas entgegenzustellen.

Wasser effizient nutzen

Mit dem fortschreitenden Klimawandel nimmt die Bedeutung von gegen Trockenheit resistenten Systemen zu. Gegen längere Trockenperioden helfen humusreiche, lockere Böden. Ziel in einer Permakultur sollte es damit sein, die Bodenqualität laufend zu verbessern und den Humusanteil zu erhöhen. So kann ein natürlicher „Wasserspeicher“ geschaffen werden, der dann hilft, längere Trockenperioden besser zu überstehen.

Permakultur erfordert Wissen und Erfahrung

Wie mein sehr kleiner Einblick in das Thema Permakultur vermuten lässt, setzt eine Umsetzung ein gewisses Maß an Wissen und Erfahrung über die Eigenschaften von Pflanzen und die örtlichen Gegebenheiten voraus. Eine Umsetzung ist somit nicht von einen Tag auf den anderen möglich. Vielmehr kann man in einzelnen Schritten optimieren. Dabei ist davon auszugehen, dass es auch zu dem einen oder anderen „Fehlversuch“ kommen kann. Das ist der Tatsache geschuldet, dass eine Permakultur an die Natur angelehnt ist. Diese ist jedoch sehr komplex. Die Komplexität gilt es in einem gewissen Maße zu durchschauen und für den Gemüseanbau zu nutzen. Ich bin jedoch der Meinung, dass die Prinzipien der Permakultur das Potential für eine Nahrungsmittelproduktion der Zukunft haben könnte.


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