Gemüse von der Solawi, das ist doch anstrengend! Oder?

Es gibt nur das, was es gibt

Richtig ist, dass man von einer Solawi nicht das Obst und Gemüse bekommt, das „normalerweise“ immer und überall im Supermarkt verfügbar ist. Vielmehr gibt es viele Einflussfaktoren, die bestimmen, was man in seinem wöchentlichen Anteil vorfindet. Der wichtigste Faktor ist sicherlich die saisonale Verfügbarkeit. Es gibt nur das, was gerade erntereif ist oder was eingelagert wurde und dann Stück für Stück ausgegeben werden kann. Das führt in einigen Monaten des Jahres dazu, dass ich mich fast wie im Schlaraffenland fühle. Es gibt aber auch Zeiten, meist einige Wochen, in denen nichts verfügbar ist, weil die Lagervorräte aufgebraucht sind und die „neue Ernte“ noch nicht herangewachsen ist. Die größte Herausforderung liegt für mich aber eigentlich im Überfluss, weil ich schließlich nichts „verkommen“ lassen will. – Was für ein Luxusproblem! In den „mageren“ Monaten hingegen muss ich in einem Land wie Deutschland nicht hungern. Ich kann ja schließlich problemlos in einem Laden einkaufen. – Was für ein Luxusprivileg!

Natürliches Gemüse heißt: Ich muss natürlich kochen

Wenn ich unverarbeitete Lebensmittel habe, muss ich natürlich kochen. Ausgenommen hiervon ist lediglich der Rohkostanteil, den man aber auch zubereiten muss. - Zugegebenermaßen mit deutlich weniger Aufwand. Aber Waschen und Kleinschneiden will eben auch erledigt werden. In meinem Empfinden ist der Genuss von gekochten Lebensmitteln um ein Vielfaches größer, als beim rohen Verzehr. Man kann wunderbare interessante Kombinationen aus den unterschiedlichsten Bestandteilen kreieren. Das ist sicher auch der Grund, warum sich Kochbücher so gut verkaufen lassen und Internetseiten mit Rezepten zahlreiche Besucher anlocken. Für die Mühe des selbst Kochens werde ich aber auch belohnt! Ich bekomme eine Mahlzeit, die nur aus Bestandteilen besteht, die ich kenne, weil ich sie selbst bestimme. Damit liegt es in meiner Hand, wie gesund und nahrhaft ich esse. Keine Zusatzstoffe oder Konservierungsmittel und nur soviel Fett oder Zucker, wie ich es will. Und mal ganz ehrlich - etwas selbst Gekochtes weiß man auf Grund der Arbeit, die in der Zubereitung steckt, viel mehr zu schätzen, als ein schnelles Fertiggericht.

Neues entdecken

Allerdings kann ich, behaupten viele, wenn ich einer Solawi angehöre, nicht mehr täglich spontan essen, wonach mir der Sinn steht. Ganz so schlimm fühlt es sich für mich definitiv nicht an. Schließlich habe ich eine Auswahl an Erzeugnissen in meinem Anteil, aus welchen sich je nach Lust und Laune die unterschiedlichsten Gerichte zaubern lassen. So kann aus Kartoffeln ein süßer Genuss in Form eines Kartoffelpuffers mit Apfelmus werden oder aber eine deftige Kartoffelsuppe mit Gemüseeinlage. Viel spannender finde ich es, dass ich Neues entdecken kann, weil ich Gemüsesorten bekomme, die ich entweder noch gar nicht kannte oder die ich aus irgendeinem Grund nie gegessen habe. Auch eine Vielzahl neuer Rezepte habe ich für mich entdeckt, um das Saisonale immer wieder anders und abwechslungsreich zubereiten zu können. Die Vielfältigkeit einer Solawi Ernte kann man hier bestaunen!

Fazit

Ja, es macht mehr „Arbeit“, Gemüse von der Solawi zuzubereiten, als eine Fertigpizza in den Ofen zu schieben. Aber man bekommt etwas für den Mehraufwand! Gesundes, individuelles Essen, das aus gesundheitlichen Gesichtspunkten die erste Wahl sein sollte. Die klare Empfehlung von Medizinern und Ernährungsexperten lautet schließlich: unsere Lebensmittel sollten so natürlich und unverarbeitet wie möglich sein. Ich kann für mich die Frage, ob Gemüse von der Solawi anstrengend ist, klar mit nein beantworten. Es macht zwar mehr Mühe, sich gesund und saisonal zu ernähren, aber es ist lohnenswert.


Nicht alleine das Kochen hilft mir übrigens einen anderen Bezug zu meinem Essen zu bekommen. Das wäre mit Supermarktware auch möglich. Doch da ich von Zeit zu Zeit auch auf dem Feld bin, sehe ich zum Beispiel die Karotte auf meinem Teller mit ganz anderen Augen. Schließlich habe ich ja einen aktiven Beitrag geleistet, dass sie wachsen konnte. Es stellt sich eine Mischung aus Stolz, Genugtuung und Wertschätzung ein. Keine Spur von Last oder Anstrengung!


Photo by Graham Soult from FreeImages

    Kommentare 2

    • Da muss ich doch mal meinen Senf dazugeben...

      Ja, klar, ich muss das Gemüse erstmal zubereiten, das ist schon Arbeit. Aber dafür spare ich ja einige Zeit beim Einkaufen, an der riesigen Gemüseabteilung kann ich ja einfach vorbeilaufen. Früher stand ich da oft vor und konnte mich nicht entscheiden, was ich denn nun kochen wollte. Mit der überschaubaren Gemüsekiste ist das doch viel einfacher.

      Ganz besonders, wenn ich bewusst einkaufen will. Habt ihr mal versucht, bei Edeka rauszukriegen, welches Gemüse tatsächlich regional und saisonal ist und nichts anderes zu kaufen? Dauert ewig und danach bin ich total genervt.

      Beim Kochen hat sich bei mir mit der Zeit die Kultur etwas verändert, besonders wenn ich Besuch erwarte. Früher habe ich gekocht und wenn der Besuch kam haben wir gemeinsam gegessen. Heute kochen wir oft gemeinsam, das macht Spaß, ist kommunikativ und das Schnippeln und vorbereiten fühlt sich gar nicht mehr wie Arbeit an.

      Und noch ein Gesichtspunkt: ich glaube, dass es zu meinem seelischen Gleichgewicht und allgemeinen Wohlbefinden beiträgt, wenn ich mein Essen selbst zubereite. Das hat für mich was von geerdet sein, ist sinnvolles, nicht entfremdetes Tun, von dem wir in unserer heutigen Welt eher zu wenig haben. Dieser Faktor wird oft übersehen, aber ich glaube, das hat individuell und gesellschaftlich enorme Auswirkungen.

      • Weitere tolle Gründe, die zeigen, dass Gemüse von der Solawi alles andere als anstrengend ist. Danke dafür!