Biene Maja und ihre Freunde

Um diese Frage zu beantworten, stellt sich zunächst die Frage, warum eigentlich die Biene im Vordergrund der Diskussion steht. Wahrscheinlich, weil wir alle positive Emotionen mit diesem Insekt verbinden. Sofort hat man zum Beispiel Kindheitserinnerungen an die heldenhafte Biene Maja mit ihrem tollpatschigen Begleiter Willi im Kopf. Auch genießen wir gerne am Sonntagmorgen ein frisches Brötchen mit leckerem Honig, den dieses nützliche Insekt für uns gesammelt hat. Viele positive Attribute werden mit der Biene verbunden, was sich sogar in unserer Umgangssprache widerspiegelt, wenn von einer „flotten Biene“ die Rede ist oder jemand als „fleißiges Bienchen“ gelobt wird. Die Biene ist somit die optimale Galionsfigur für eine Insektenschutzkampagne! Eines ist jedoch klar, es geht um mehr, als die Biene.

Insekten ohne Lobby haben es schwer

Besonders deutlich wird dies, wenn man sich vor Augen führt, dass die Honigbiene als Nutztier des Menschen nicht einmal das eigentliche Problem beim Insektensterben darstellt. Es gibt vermutlich nicht weniger Nutzbienen als noch vor vielen Jahren – ja vielleicht sind es heute sogar noch mehr Völker. Vielmehr haben es ihre wilden Verwandten besonders schwer, in der heutigen Welt der Monokulturen, die sich über immer größere Landstriche erstrecken, einen Lebensraum zu finden. Auch leiden besonders die kleinen Bestände der Wildbienen unter dem Einsatz von Pestiziden, und anderen in der industriellen Landwirtschaft üblichen Chemikalien. Erschwerend kommt hinzu, dass die übrigen Vertreter der Spezies „Insekt“ keine so große Sympathie und somit Lobby finden. Wer kennt oder interessiert sich zum Beispiel für die vielen bedrohten Arten von Fliegen, Käfern oder sonstiges der Gattung? Berührungspunkte gibt es maximal beim Entfernen ihrer Überreste auf der Windschutzscheibe. Doch dies ist mittlerweile auch immer seltener notwendig. Ein eindeutiger Alltagsindikator, der jedem zeigen sollte, dass die Aussagen der Wissenschaftler zum dramatischen Rückgang der Arten und Bestände bei den Insekten keine „Fake-News“ sind. Hier fällt es jedoch deutlich schwerer emotional zu reagieren oder die Nützlichkeit für den Menschen konkret zu erkennen.

Es geht um mehr als die Bienen – Unsere Ökosysteme brauchen Biodiversität

Doch genau um diese Masse der unbekannteren Lebewesen geht es, wenn die Biodiversität zum Erhalt der sensiblen Ökosysteme thematisiert wird. Ökosystem sind komplexe Systeme, in welchen jedes Lebewesen seine Aufgabe hat. Das gilt auch dann, wenn der Mensch noch nicht erkannt hat, worin die Aufgabe jeder Art besteht oder auch überhaupt noch längst nicht jedes Lebewesen kennt oder wahrgenommen hat. Wahr ist und bleibt: unsere Existenz ist letztlich abhängig von nachhaltig funktionierenden Ökosystemen. – Oder anders ausgedrückt unser „Leben“ erfordert „Leben lassen“. Damit ist klar, dass mit der Biene sicherlich Aufmerksamkeit geschaffen wurde, aber das Problem des Insektensterbens noch nicht umfänglich thematisiert ist. An dieser Stelle möchte ich jedoch betonen, dass alle Maßnahmen zum Bienenschutz und zur Sensibilisierung der Menschen als positiv zu bewerten sind. Doch wir müssen weitergehen und den Schwung der Einsatzbereitschaft zum Schutz aller Insekten nutzen! Man muss sich die Frage gefallen lassen, ob es reicht, bienenfreundliche Blumensamen zu verteilen und dann zeitgleich Produkte zu vertreiben, deren Rohstoffe auf Äckern in Monokultur angebaut und mit reichlich Chemie besprüht werden.

Jeder einzelne ist gefragt!

Und auch wir als Verbraucher sollten uns die Frage stellen, was jeder einzelne von uns tun kann. Ganz konkret hilft es sicher, im Vorgarten auf eine Rasen-Thuja-Wüste oder schlimmer noch einen „Steingarten“ zu verzichten und stattdessen auf Wildblumenwiesen und Pflanzenvielfalt im Garten und auf dem Balkon zu setzen. Aber auch bei der Auswahl unserer Lebensmittel können wir unseren Beitrag leisten. Der konsequente Konsum von Biolebensmitteln stellt sicher, dass keine insektenfeindlichen Gifte zur Produktion eingesetzt wurden. Häufig wird leider immer nur betont, dass herkömmlich erzeugtes Obst und Gemüse nicht schlechter sei als Bioprodukte. Das mag aus Sicht der Nährwerte und der Schadstoffbelastung im Endprodukt auch richtig sein. Aus Sicht des Insektenschutzes gilt diese Aussage jedoch nicht. In diesem Zusammenhang kann man die „Bienenschutz-Aktionen“ des Handels oder der Erzeuger wirklich nur als Marketing bezeichnen. Ähnlich fragwürdig verhält sich der Kunde, der die Bienen-Samenmischung neben den Produkten der Agrarindustrie im Einkaufswagen liegen hat. Hiermit kann man maximal sein Gewissen beruhigen. Konsequentes Handeln jedoch verlangt noch ein wenig mehr.

Blühstreifen und chemiefreie, vielfältige Ackerflächen

Damit die Insekten eine Chance haben, benötigen wir möglichst durchgängige Blühstreifen im gesamten Land. Auch der Verzicht auf Agrarchemie oder zumindest ein deutlich reduzierter Einsatz hilft den bedrohten Arten. Damit dies möglich wird, muss der Wille zur Veränderung vorhanden sein. Insbesondere die Nachfrage nach Bioprodukten, bevorzugt aus der Region, führt zum Wandel. Wenn ganz Deutschland nicht nur die Biene, sondern alle Insekten in sein Herz schließt, wird es nicht bei den Samenmischungen im Supermarkt bleiben. Vielmehr besteht die Chance auf eine andere Art der Landwirtschaft, die auf Biodiversität und funktionierende Ökosysteme setzt. Am Ende gewinnt dann nicht nur die Biene, sondern alle Lebewesen.


Weitere Artikel zu Themen, wie: Nachhaltige Landwirtschaft, Biodiversität, Regionalität und weiteres findest du zukünftig auf dieser Seite!


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    Kommentare 2

    • Wir Menschen sind doch ziemlich merkwürdig. Da wird einerseits der Rückgang von Fluginsekten beklagt und gleichzeitig war Ende Mai in der Zeitung zu lesen, dass am Rhein eine Mückenplage drohe. Dort wären Helikopter die dort anscheinend regelmäßig Gift, das Mücken tötet, versprühen, ausgefallen. Der Kernpunkt hinter solchen Aktionen scheint mir darin zu liegen, dass wir Menschen uns immer noch als die Krone der Schöpfung begreifen. Was uns stört oder vielleicht auch schaden könnte, wird schnell bedenkenlos eleminiert.

    • Danke für deinen Artikel. Es wird hier noch mal deutlich, dass es um mehr geht als Blühstreifen anlegen. Meiner Meinung nach haben die sogenannten "Unkräuter" auch keine Lobby. Die Kräuter benötigen einen Bereich, indem sie wieder wachsen dürfen. Wenn jeder Mensch um seinem Haus herum eine Fläche bzw. Bereich dafür lässt, wäre das eine kleine Tat mit großen, positiven Auswirkungen.