Winterarbeit

Das hätten sie wohl gern

Ja, eigentlich, sollten die Wintermonate doch ganz wie die Natur es vormacht, ein wenig zum Rückzug, zur inneren Einkehr, zum Kräftesammeln genutzt werden, gibt Lothar Warner, unser Bauer von der Solawi Vlotho gern zu. Die Betonung in seinem einleitenden Satz liegt jedoch ganz klar auf dem „eigentlich“. Und die Liste der im Januar erledigten Aufgaben, die dann folgt, ist ziemlich beeindruckend.

Tun, was man während der Anbausaison nicht schafft

Also zuerst gebe es immer Dinge, die man in den arbeitsreichen Sommermonaten einfach nicht schaffe. Gründliche Maschinenpflege, Reparaturen und ähnliches. Und diesen Winter hätte er auch endlich das Projekt „Werkstatt aufräumen“ in Angriff genommen, damit man alles, was man braucht, auch ohne langes Suchen findet. Zudem hätte er den sogenannten Sumpf für das Getreide, die Transportschnecken und das Silo erstmalig in Betrieb genommen. Das musste alles grundgereinigt und auf Funktionsfähigkeit hin überprüft werden, bevor unser Solawi-Weizen und -Roggen im Silo eingelagert werden konnte. „Das mit dem Getreide macht viel Arbeit. Allein einen Termin zur Getreidereinigung zu bekommen, ist schwierig. Unsere Mengen sind den Landwirten, die so eine Reinigungsanlage haben, eigentlich zu klein. Und sowieso muss man weit fahren. Denn die Biolandrichtlinien verlangen, dass man in einer biozertifizierten Anlage reinigen lässt,“ erklärt Lothar.

Und dann wäre da natürlich auch noch die Verwaltungsarbeit, die einem sowieso immer im Nacken sitzt und zum Jahreswechsel noch mal richtig die Knute schwenkt… Das Grauen schlechthin für einen praktischen, analog veranlagten, naturliebenden Menschen...

Vorbereitungen für die nächste Saison

Viel, vor allem gedankliche Arbeit habe er und sein Helferteam in die Planung der nächsten Saison gesteckt. Schon im Januar müsse man dem Jungpflanzenlieferanten genaue Zahlen nennen, wie viele Sätze von Pflanzen man monatlich abzunehmen gedenke. Die Aussaat beginnt dort früh. Genauso wichtig: die zukünftige Einteilung der Beete. Da wird gemessen und gerechnet, und man schaut genau, was, im Sinne einer guten Fruchtfolge, wohin gehört.

Hecken und Bäume

Arbeiten an Büschen und Bäumen sind traditionsgemäß Winterarbeiten und auf unserem Land mit seinen Streuobstwiesen und langen Hecken gibt es da im Winter eine Menge zu tun. Lothar habe, erzählt er, mit einem fachkundigen Freund den Obstbaumbestand überprüft und den nötigen Schnitt durchgeführt. Eine traurige Angelegenheit, meint unser Gärtner. Beim genauen Hinschauen sei ihm noch deutlicher geworden, wie sehr die Bäume unter den letzten beiden trockenen Sommern gelitten hätten. „Da gab es kaum Austrieb. Und dann haben wir auch im Moment auch so viele Wühlmäuse. Die haben einigen Jungbäumen den Rest gegeben“, stellt Lothar fest. Als erste Gegenmaßnahme hat er dann auch gleich ein paar Ansitzstangen für Greifvögel aufgestellt.

Auch das Mithilfewochenende für Solawi-Mitglieder im Januar stand im Dienste der Obstbäume. Das Rund um die Stämme herum wurde vom Kraut befreit und überflüssig gewordener Baumschutz abgenommen.

Und wie immer…

Und natürlich muss auch im Januar die wöchentliche Gemüseausgabe vorbereitet werden. Das macht nicht ganz so viel Arbeit, wie im Sommer, weil vieles nur aus dem Lager und nicht aus der Erde geholt werden muss, aber es bleibt noch genug Erntearbeit übrig. Porree, Grünkohl, Rosenkohl, ja sogar unter Folie gezogener Blumenkohl hat unseren Speisezettel im Januar bereichert, und diese Sorten kamen vom Feld. Aus den Folientunneln gab es zudem noch Portulak und Pflücksalat.

Wie immer müssen auch die „Hinterwäldler“, Lothars kleine Rinderherde, täglich versorgt werden. Sie wollen gefüttert werden und ihr Laufstall braucht regelmäßig frische Einstreu.

Sich Gedanken machen. Kollegen treffen.

Aber ein bisschen mehr Ruhe scheint im Winter wohl doch einzukehren. Anders lässt es sich nicht erklären, dass gerade in dieser Zeit oft neue, gute Ideen ausgebrütet werden. Bei uns zum Beispiel ist jetzt geplant, dass wir in naher Zukunft eine Beratung ins Sachen Biodiversität vom Biolandverband einholen werden. Gleichzeitig nimmt die Vorstellung, einige Flächen in ursprüngliche Blühwiesen des Types „Glatthaferwiese“ zurück zu verwandeln, Gestalt an. Die Verhandlungen mit dem Kreis Herford, Eigentümer des umliegenden Naturschutzgebietes, laufen.

Und außerdem würde er im Winter auch vermehrt Kontakte zu Freunden und Kollegen pflegen, meint Lothar. Na bitteschön, das hört sich doch gut und nach ein bisschen Freizeit an. Allerdings auch noch sehr ausbaufähig!


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