Der Kampf gegen Windmühlen oder: Kann ich allein etwas bewegen?

Zunächst einmal wollte ich für mich klären, warum ich mir plötzlich immer häufiger die Frage nach dem Sinn stelle. Ich bin zu folgendem Schluss gekommen: Die Themen Umweltzerstörung, Klimakrise, Plastikflut, Insektensterben und viele andere Problemfelder haben in letzter Zeit eine deutlich größere Medienpräsenz, als in der Vergangenheit. Ich möchte betonen, dass dies gut und richtig ist, weil nur so ein wichtiges Thema ins kollektive Bewusstsein vordringt. Allerdings gibt es auch nachteilige Nebeneffekte für Menschen wie mich, die auf Grund eines persönlichen Interesses für das Thema in einer „medialen Filterblase“ stecken. Hier wirken diese Nachrichten nicht mehr informativ oder aufrüttelnd. Mir sind die Probleme schließlich in weiten Teilen bekannt. Genau das war schließlich der Grund, warum ich mein Verhalten an vielen Stellen geändert habe!

Frustration statt Motivation

Nun nehme ich leider immer wieder wahr, dass alles weiterhin „schlecht“ ist, ja sogar „immer schlimmer“ zu werden scheint. Die Wirkung der Berichterstattung ist nicht mehr länger motivierend für mich, sondern viel mehr die Quelle von Frustration. Ich frage mich in solchen Momenten, ob ich nur Einer von ganz Wenigen bin, die das Problem erkennen und versuchen etwas zu unternehmen. Ähnliche Gefühle verspüre ich in Situationen, wenn ich im wahren Leben in meinem Umfeld etwas bemerke, was meinen Überzeugungen zum Schutz unserer Welt widerspricht. Das kann der sorglos entsorgte Farbeimer im Straßengraben sein oder eine ungeduldiger SUV-Fahrer, der mich mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit überholt und nebenbei einen sinnlosen Beitrag zur Klimaschädigung leistet. Alles Indizien für meine vergeblichen Bemühungen!

Was kann ich jetzt tun….

Einfach wieder zu den alten Verhaltensweisen zurückkehren kann keine Lösung sein. Ich kann und ich will meine Überzeugung nicht aufgeben. Ich möchte aber auch meine negativen Emotionen unter Kontrolle bringen. Meine Lebensqualität leidet schließlich. Es fällt mir zunehmend schwer zu genießen, abzuschalten oder positiv zu denken. Vielleicht ist das der Beginn einer Art "Umwelt- oder Klimadepression" ? Ich kann mir diese Frage nur sehr schwer selbst beantworten.

Wie kann ich also dieses Problem lösen?

Hierzu habe ich Denkanstöße von meiner Frau und von Freunden bekommen, die erkannt haben, dass ich ein Anderer geworden bin. Ein anderer Mensch im positiven, aber auch im negativen Sinn. Natürlich ist erkannt geworden, dass mir mittlerweile andere Dinge wichtig sind, als noch vor einigen Jahren. Aber auch meine grundlegende Stimmungslage, die sich zunehmend verschlechtert hat, ist bemerkt worden. Mein direktes Umfeld ist sogar besorgt! So offensichtlich ist es, dass es mir nicht gut geht.

Ein anderer Blickwinkel kann helfen

In dieser Situation wurde mir klar (gemacht), dass ein veränderter Blickwinkel einiges verbessern kann. Ich habe gelernt, dass ich nicht nur die großen Probleme fokussieren darf. Ich muss auch auf die kleinen Erfolge blicken, die vorhanden sind. Besonders die Erfolge, die ich für mich persönlich verbuchen kann. Ich habe mir sofort die Frage gestellt, was das denn für Erfolge sein sollen. Schließlich bringen meine Bemühungen als einzelner doch nichts... so meine Annahme. Eine falsche Annahme, wie sich herausstellte. In dieser Situation ist mir verdeutlicht worden, dass meine Bemühungen nicht so „spurlos“ sind, wie ich vermutet habe. Ich durfte erfahren, dass ich als ein Vorbild wahrgenommen werde.

Der Einzelne als Multiplikator

Meine Ideen und mein Handeln werden gesehen, bewertet und sogar übernommen. Das war eine überraschende Erkenntnis. Ein Beispiel: Meine Bemühungen Plastikverpackungen zu reduzieren haben dazu geführt, dass Freunde kein Wasser in Plastikflaschen mehr kaufen. Auch verwenden Sie jetzt unverpackte, feste Bio-Seife statt Duschgel aus der Plastikflasche. Sie kaufen jetzt auch einige Artikel im Bioladen und vermeiden im allgemeinen Müll. Anderes, was ich für mich entschieden habe, haben sie nicht übernommen. Es passt nicht in den persönlichen Alltag oder es gab kein überzeugendes Argument für sie, es mir gleichzutun. Aber es hat sich in jedem Fall viel mehr verändert, als ich bisher wahrgenommen habe! Somit habe ich, ohne es wirklich zu wissen, als Multiplikator fungiert. Die Idee und das Handeln eines Einzelnen hat eine Gruppe von Menschen motiviert ihr Verhalten zu ändern. Ein großartiges Gefühl!

Was ist meine Erkenntnis?

Auch wenn es manchmal - vielleicht sogar oft - so scheint, der entschlossene Einsatz für ein nachhaltigeres Leben ist kein Kampf gegen Windmühlen. Es macht in jedem Fall Sinn für seine Überzeugung zu kämpfen. Es ist sicher ein mühsamer Weg, aber als Vorbild kann jeder einzelne theoretisch Massen bewegen. Um sich diese Macht vor Augen zu führen, muss man sich aber regelmäßig die Erfolge verdeutlichen. Hierzu ist ein veränderter Fokus auf die kleinen Veränderungen im direkten Umfeld der richtige Weg. Auch ein Ausbrechen aus den Medienblasen kann sinnvoll sein. In jedem Fall muss ich versuchen mit negativen Nachrichten "entspannter" umzugehen. Es handelt sich um Informationen, die nicht dazu gedacht sind zu demotivieren! Schöner wäre es natürlich, von Zeit zu Zeit auch Erfolge in der Berichterstattung zu feiern. Leider ist das viel zu selten der Fall. Schlechte Nachrichten verkaufen sich wahrscheinlich einfach besser.

Ich hoffe mit diesem Beitrag anderen „Einzelkämpfern“ Mut machen können. Es gibt keinen Grund frustriert aufzugeben, solange du voll von dem überzeugt bist, was du tust.


Photo by Artur i Karol S from FreeImages

    Kommentare 5

    • Euren Worten kann ich mich voll anschliessen! DANKE Alex, das du es für uns ausgesprochen hast

    • Das kenne ich auch, dieses mutlose Gefühl. Immer wenn ich angesichts der vielen Problemfelder so in einen inneren generellen "Ich müsste die Welt retten"-Modus verfalle, dann fühle ich mich so viel zu klein und hilflos. Besser geht es mir, wenn ich mich als kleines Licht, als Teil einer wachsenden Bewegung wahrnehme. Das macht mich hoffnungsfroher.

      Und bleib dabei, so konsequent zu sein, wie du bist. Denn es stimmt, dass du dann Vorbild sein kannst. Wenn Überzeugung und Handlungsweise überein stimmen, dann entsteht Authentizität. Das kommt bei den Mitmenschen an.

      Wer soll die Leute davon überzeugen, dass Second Hand Einkauf cool ist, dass es cool ist, ein kleines Auto zu fahren, wenn nicht wir coolen Typen?! :)

      • Ich würde sogar sagen, dass es richtig Spaß macht authentisch zu sein, gegen den Strom zu schwimmen und den allgemeinen Erwartungen nicht zu entsprechen.

        Ich würde sagen, es erzeugt ein Gefühl von Stolz, nicht immer den leichten aber persönlich richtigen Weg zu gehen.

        Ich fest davon überzeugt, dass du genau nachempfinden kannst, was ich meine.

    • Nein, Alex, du bist überhaupt nicht allein! Schon allein unsere Solawi besteht aus fast 70 Mitgliedern, das sind über 100 Menschen, die zumindest ähnlich denken. Und es gibt noch mehr Solawis, weltweit, die Anzahl steigt. Wenn das kein gutes Zeichen ist. Es tut sich schon etwas, auch wenn es mir wie dir geht und ich Angst habe, dass es viel zu langsam geht und die Katastrophe nicht mehr aufzuhalten ist.

      Viel Kraft hat mir auch die Wir-haben-es-satt-Demo in Berlin gegeben.

      Wir sind noch nicht die Mehrheit, wir sind nicht die politischen Entscheidungsträger, stimmt, aber wir sind viele. Und wir sind einfach auf dem richtigen Weg, das wird ansteckend wirken, unweigerlich.

      Genau diese individuelle Vorbildwirkung, die du beschreibst, ist wichtig um immer mehr Menschen zu erreichen. Mach weiter, Alex, und wenn es nur deshalb ist, damit du eine Antwort hast, wenn uns unsere Enkel in einigen Jahren fragen: habt ihr gar nichts unternommen, damals?

      • Gerade was die Verantwortung für Kinder und Enkel angeht, wundere ich mich oft, wie einige Menschen (mit Kindern) so handeln können, wie sie es tun.

        Ich kann hierfür nur drei Erklärungen finden:


        1. Es ist ihnen tatsächlich egal, was ihre Nachkommen in der Zukunft erwartet.

        2. Sie bewerten die aktuelle Lage und die Zukunft aus voller Überzeugung völlig anders.

        3. Es braucht noch Zeit und mehr "Schaden", damit ein verändertes Verhalten einsetzt.


        Ich hoffe Erklärung eins trifft nicht zu! Solch einen Egoismus empfinde ich als unmenschlich. Bei Erklärung zwei wünsche ich mir für uns alle, dass die "Zweifler" recht behalten, wenn uns der schnelle bzw. rechtzeitige Wandel nicht gelingen sollte. Und bei Option drei werde ich alles tun, den Prozess bei allen, die (noch) nicht mitmachen zu beschleunigen...zumindest im Rahmen meiner Möglichkeiten.


        Dankbar bin ich für eure warmen Worte und das Wissen, Mitstreiter zu haben. Das macht Mut und gibt Kraft.