Das Öko-Girokonto: Eine sinnvolle Alternative?

In vielen Bereichen unseres Lebens haben wir uns entschieden, bewusster zu konsumieren. Ganz selbstverständlich und einfach nachvollziehbar kommt mein Gemüse von der Solawi, andere Lebensmittel oder sonstige Dinge des Alltags kaufe ich unter ökologischen Gesichtspunkten. Gleiches gilt für Strom und Gas und auch das Auto tausche ich so oft wie möglich gegen Fahrrad oder Bahn. Jetzt bin ich beim Thema Geld auf den Begriff „Öko-Bank“ gestoßen. In Sachen Geld war "ökologisch" bei mir bisher kein Thema. Ein Konto bei einer Sparkasse, Volksbank oder auch einer Großbank war ganz selbstverständlich.

Öko-Banken sind (nicht) ganz normale Banken

Eine Öko-Bank ist zunächst einmal eine Bank wie jede andere auch. Häufig handelt es sich um genossenschaftliche Institute, so wie es zum Beispiel auch die Volks- und Raiffeisenbanken sind. Sie bieten die gleichen Produkte und Leistungen an, wie man sie von einer „normalen“ Bank kennt. Auch die gesetzlichen Vorschriften gelten hier in gleicher Art und Weise wie für alle Banken. Wo liegt nun der Unterschied? Kurz gesagt: In den Geschäftszielen. Volks- und Raiffeisenbanken haben laut Wikipedia den Anspruch „Kapitalansammlung und Kreditgewährung für kleine Leute“ möglich zu machen. Sparkassen sind auf Grund ihrer öffentlich-rechtlichen Ausrichtung der Gemeinnützigkeit verpflichtet. Die privaten Großbanken verfolgen rein wirtschaftliche Interessen im Sinne ihrer Eigentümer, was letztlich Gewinnmaximierung bedeutet. Das Ziel einer Öko-Bank hingegen ist es, Umwelt- und Sozial- und / oder Friedensprojekte zu fördern.

Auf Augenhöhe

Nachhaltige, faire und ethisch alternative Banken agieren auf Augenhöhe mit konventionellen Instituten. Vergleicht man Produkte und Service der Ökobanken mit den klassischen Instituten, stellt man fest, dass man nahezu identische Leistungen vorfindet. Unterschiede gibt es vielleicht im Detail, Wichtiges fehlt nicht. Allerdings bedeutet die Entscheidung für eine Öko-Bank, dass man sich gegen eine Filialbank mit einem Ansprechpartner vor Ort entscheidet. In Zeiten von Onlinebanking scheint dies für die meisten aber wohl verschmerzbar, zumal die Bargeldabhebung, wie bei anderen Onlinebanken auch, kein Problem darstellt.

Wie sieht es mit den Kosten aus?

Wie bei allen Öko-Produkten hat auch das nachhaltige Banking seinen Preis. Ein kostenloses Konto gibt es hier nicht. Allerdings werden die Gebühren nicht zur Gewinnmaximierung erhoben oder um Bankern hohe Bonuszahlungen zu ermöglichen. Vielmehr geht es darum, ökologische, soziale und ethische Ziele zu verfolgen und trotzdem wirtschaftlich zu arbeiten. Dennoch lohnt sich ein Vergleich verschiedener nachhaltiger Banken. In Abhängigkeit von der Wahl der Leistungen, die man in Anspruch nehmen will, gibt es hier zum Teil erhebliche Unterschiede bei den anfallenden Kosten. Wie bei allen Banken können sich diese Konditionen im Laufe der Zeit natürlich auch ändern. Insgesamt sind die Kosten bei allen Ökobanken jedoch als moderat zu bezeichnen. Wer bei diesen Instituten das rundum kostenlose Girokonto vermisst, der möge bedenken, dass es dieses in Zeiten eines Leitzinssatzes von null Prozent vermutlich auch bei herkömmlichen Banken nicht mehr lange geben wird.

Gute Gründe für einen Wechsel

Wenn man wegen neuer oder steigender Gebühren gerade auf der Suche nach einer neuen Bank ist, ist das die ideale Gelegenheit, um zu einer nachhaltigen Bank zu wechseln. Mit diesem Wechsel kann man sicherstellen, keine Geldgeschäfte der Waffenindustrie oder der schmutzigen Energiewirtschaft (Kohle, Atom) zu unterstützen. Tabu ist für sämtliche Ökobanken auch das Spekulieren mit Nahrungsmitteln, mit Produkten, die auf Gentechnik basieren, die Kinderarbeit, Tierversuche und Menschenrechtsverletzungen tolerieren. Vielmehr werden Projekte im Sinne des Umweltschutzes durch diese Banken gefördert, auch wenn der monetäre Gewinn dabei längst nicht so hoch ist. Es erfolgt ein verantwortungsvoller Einsatz von Geldern nach klaren ethischen Grundsätzen. Auf Transparenz in der gesamten Geschäftstätigkeit wird außerordentlich viel Wert gelegt. Und obwohl bei den Ökobanken Gewinnmaximierung nicht an erster Stelle steht, muss man als Kunde nicht mehr und nicht weniger Angst um sein Geld haben, als bei jeder anderen Bank, denn auch Öko-Banken unterliegen der Bankenkontrolle, und die Werte der Kunden sind durch den Einlagensicherungsfond abgesichert.

Das Fazit

Wer auf eine Filiale vor Ort verzichten kann und moderate Gebühren für ein Girokonto akzeptiert, sollte einmal über den Wechsel zu einer Öko-Bank nachdenken. Günstiger als ein klassisches Konto ist dies wahrscheinlich nie, aber in jedem Fall nachhaltiger, ökologischer und ethischer. Es gilt auch hier eine Grundsatzentscheidung zu treffen, vergleichbar zur Entscheidung bei den Lebensmitteln. Will ich ökologisch konsumieren oder nicht.

Mögliche Banken

Sollte dein Interesse geweckt sein, kannst du dich auf den Internetseiten einiger Öko-Banken, die auf dem deutschen Markt aktiv sind, weiter informieren. Hier findest du Konditionen und Ziel der Institute.


EthikBank

GLS Bank

Tomorrow

Triodos Bank


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