Meine Stadt will Fair-Trade-Town werden. Bringt das was?

Es klingt erst mal nicht weltbewegend

Liest man den Katalog der Bedingungen, die zur Anerkennung als Fair-Trade-Town zu erfüllen sind, klingt das erst einmal nicht gerade weltbewegend. Wenn eine Stadt in der Größe Rintelns (also bis 30.000 Einwohner) am Ende sechs Geschäfte, eine Schule, einen Verein, eine Kirchengemeinde und drei Gastronomen ausweisen muss, die mindestens zwei Fair-Trade-Produkte im Sortiment haben, beziehungsweise nutzen, tut das vermutlich noch keinem der üblen ausbeuterischen Konzerne weh. Trotzdem sollte man auch diesen ganz konkreten Teil der Fair-Trade-Town-Kampagne nicht geringschätzen. Jedes Kilo von fair produzierten Kaffee- oder Kakaobohnen, das wir hier kaufen, hilft Menschen in den Herkunftsländern.

Das Spannende liegt im Antragsprozess selbst!

Was mich am Ende von der Fair-Trade-Town-Kampagne dann doch überzeugt hat, ist der gut durchdachte Prozess, der zum angestrebten Siegel führt. Fair-Trade-Town wird man nämlich nur durch einen Antrag des Rates. Das bedeutet, dass sich schon in diesem Schritt Menschen unterschiedlichster politischer Couleur mit dem Thema fairen Welthandels auseinander setzen. Meist wird in dieser Phase auch die Lokalpresse aufmerksam und der erste themenbezogene Artikel erscheint. Vier Veröffentlichungen müssen übrigens bei der endgültigen Bewerbung vorgelegt werden. Schon jetzt beginnt Fair Trade im Bewusstsein der Stadtbewohner ein wenig mehr Raum einzunehmen. Dann heißt es, nach den Vorgaben von Fair-Trade-Town, eine Steuerungsgruppe zu bilden, die sich darum kümmert, dass die oben genannten Mindestbedingungen erfüllt und dokumentiert werden. In Folge machen sich engagierte Menschen daran, Kontakte zu Händlern, Vereinen, Gastronomen und so weiter herzustellen und diese zum Mitmachen zu bewegen.

Vertiefung

Um andere überzeugen zu können, muss man natürlich selbst tiefer in die Materie einsteigen, Zusammenhänge erfassen und Informationen sammeln. Das hat zur Folge, dass sich im Städtchen einige Menschen zu Fachleuten in Sachen Fair Trade entwickeln. Ein positiver Nebeneffekt ist übrigens, dass jedes Gespräch, das engagierte Bewohner einer Kommune miteinander führen, zu Stärkung des innerstädtischen Netzwerkes beiträgt. Wie ein Domino-Effekt führen die Anfragen der Mitglieder aus der Steuerungsgruppe dann schließlich dazu, dass auch Vereine, Schulen, Kirchen und Händler sich mit dem Thema Fair Trade auseinanderzusetzen beginnen.

Belohnung

Sinnvoll ist es, wenn alle, die sich entscheiden, auch Fairtrade-Produkte in ihr Sortiment aufzunehmen,
eine Möglichkeit erhalten, sich damit positiv darzustellen. Lobende Erwähnung in der Presse, ein Hinweis in Form eines standardisierten Aufklebers an der Eingangstür, eine kleine Broschüre über Fair Trade im Allgemeinen und alle Orte, wo man entsprechende Produkte vor Ort findet, im Besonderen, könnten als Beispiele für solche positiven Verstärker dienen.

Veränderungen beginnen im Bewusstsein

Und am Ende hat man das Wesentliche erreicht: zumindest bei einem Teil der städtischen Bevölkerung sollte, wenn die Heimatstadt dann endlich zur Fair-Trade-Town ernannt wird, das Bewusstsein für die Notwendigkeit von fairem Handel gewachsen sein. Und wenn es richtig gut geklappt hat mit der Aufklärung, den Gesprächen, den Informationen, dann sollte sich das auch nachhaltig im Einkaufsverhalten der Fair-Trade-Town-Bewohner niederschlagen. Richtig?


Foto Blumen: Fair Trade Pressefoto, Fotografin Natalie Bertrams

    Kommentare 1

    • Beim Einkaufen freue ich mich jedesmal, dieses Siegel zu entdecken und noch mehr darüber, das es stetig mehr Produkte werden. So kommen David und Goliath sich Schritt für Schritt näher.