Vögel füttern nur im Winter? Oder das ganze Jahr über?

Ein guter Platz zum Vögel beobachten

Ich bin umgezogen. An den Waldrand. Und mein Vogelhäuschen ist mit umgezogen. Das hat jetzt einen Platz direkt vor meinem Küchenfenster, während es im alten Zuhause für mich unsichtbar im Garten stand. Auf der Küchenfensterbank liegt ein Fernglas. Ein nicht mehr oft benötigtes Vogelbestimmungsbuch daneben. Außerdem steht da direkt vor dem Fenster so ein Möchtegern-Barhocker für die moderne Küche. Ein Superplatz, um eine Stulle zu essen und gleichzeitig das Vogelvolk draußen im Auge zu behalten. Kein Wunder, dass ich so ziemlich auf du und du bin, mit allem was da an der Futterstelle so kräucht und vor allem fleucht.

Winter und kühler Frühling

Den Winter über kommen sie alle. Buchfink, Eichelhäher, Kleiber, Rotkehlchen, Kohlmeise, Blau- und Sumpfmeise, Grünfink, Gimpel, Amsel, Spatz, Kernbeißer, Bunt- und sogar gelegentlich ein seltenerer Mittelspecht. Im Frühling, ich finde es noch reichlich kalt und kahl, wird die ganze Bande aufgeregter. Die Amselmännchen beginnen sich immer häufiger zu streiten. Rivalitäten nehmen zu. Wenn ich die Meisen so angucke, werde ich das Gefühl nicht los, dass die schon mit dem ersten Brutgeschäft beginnen, so emsig, wie die her- und wieder wegfliegen. Und nach und nach scheinen es ihnen die anderen gleich zu tun. Erst muss sowohl für den eigenen Magen, wie auch für den der Frau Gemahlin gesorgt werden. Später warten in den Nestern jede Menge aufgerissener hungriger Schnäbel auf Futter. Die Futterstelle wird weiter rege in Anspruch genommen. Eine Quelle für notwendige Kalorien, vor allem, wenn es zwischendurch wieder kalt wird, die Vegetation eine Wachstumspause einlegt und Insekten in der Versenkung verschwinden. Es dauert nicht lange, da kommen die ersten flügge gewordenen Vogelkinder. Tatsächlich Meisen! Noch betteln sie ohne Unterlass und werden weiter gefüttert. Bis sie die Meisenkunst „Finde die kleinen Insekten unter Blättern und in der Rinde der Bäume“ erlernt haben, dauert es eine Weile. Da scheinen Sonnenblumenkerne, die man nicht wirklich zu suchen braucht, das Überleben zu sichern und eine gute Grundlage für den Tag darzustellen.

Langsam wird es wärmer

Nach und nach reihen sich zerzauste Grünfinken, schwarzschnäblige Dompfaffe, strubbelige Jungspatzen und sogar noch unbeholfen kletternde, pummelige Spechtkinder, mit ihrem für die Jungvögel typischen roten Fleck auf dem Kopf, ein. Diese Spechtjungen haben sogar eine ganz eigene ergreifende Geschichte, das meine ich jedenfalls aus meinen Beobachtungen sagen zu können. Der Vater Specht ist nämlich ums Leben gekommen. Katzenopfer. Den Leichnam habe ich gesehen. Und ab da ist es auch nur noch Frau Specht, die am Futterhäuschen auftaucht. Immer sehr in Eile. Bis sie eines Tages das erste Junge mitbringt. Das klebt unten am Fuß des Vogelhäuschens und lässt sich von der Mama mit Kernen füttern. Ja, als Alleinerziehende muss man halt manchmal auch Abstriche bei der gesunden Ernährung machen. Dann gibt es auch mal Fast Food. Eine Weile später kommt übrigens noch ein Spechtjunges im Schlepptau der Frau Mama hierher.

Und noch eine neue Generation

Und während die größeren Vögel noch mit dem Großziehen ihrer ersten Brut zu tun haben, legen die kleineren gleich noch einmal nach. Im wörtlichsten Sinne. Und bald kann man eine weitere Generation Vogelkinder, noch etwas strubbeliger und unfertiger als die erste, am Futterplatz beobachten. Für mich ist klar: die brauchen Unterstützung. Also weiter füttern. Nach und nach wird der Andrang etwas kleiner. Ich kann die Futtermenge reduzieren. Amseln hat es in Gärten und in den Wald gezogen, wo sie ordentlich im Laub herumwühlen. Die Buchfinken sind schon seit dem Frühjahr wieder bei den Buchen zu finden. Die Spechte kommen seltener. Man hört sie in der Ferne an Baumstämmen klopfen. Gimpel kommen mal so auf einen kleinen letzten Snack vor dem Schlafengehen vorbei. Die Spatzen für ein Stündchen am Tag. Immer im Großaufgebot. Einzig die Meisen bleiben Stammgäste. So wie die umherhuschen, so schnell und immer in Bewegung, haben die bestimmt einen großen Kalorienbedarf. Da kommt so ein täglich neu gefüllter Sonnenblumenkernspender gerade recht. Später sieht man die zierlichen blaugelben Blau- und die deutlich größeren Kohlmeisen, dann auf der Suche nach richtig Gehaltvollem, beziehungsweise Eiweißreichem, den Apfelbaum hinterm Haus inspizieren.

Und schon naht der Winter

Ja, und jetzt wird es schon wieder Winter. Da muss, das ist ja unbestritten, gefüttert werden. Eine Pflicht, wenn man weiß, dass wir es sind, die vielen Vögeln die Lebensgrundlage entziehen. Und wann endet sie, die Winterfütterung? Also ich habe im vergangenen Jahr den richtigen Zeitpunkt bei bestem Willen nicht entdecken können. Wann sollte der gewesen sein?


Foto Pixabay

    Kommentare 1

    • Ich bin auch ein Anhänger der ganzjährigen Vorsorgung mit Futter. Meine Beobachtungen sind ganz ähnlich.Es scheint zu jeder Jahreszeit ein Bedarf zu bestehen! Der Andrang am Futterhaus ist zwar unterschiedlich stark und auch die Vigelarten, die zu Besuch kommen ändern sich, aber es ist immer etwas los. Ich hätte aber man zwei Fragen:

      1. Gibt es im Jahresverlauf Empfehlungen zu den "Futtermitteln" oder füttert ihr ganzjährig das gleiche? Ich habe einen Mix aus Kernen, Getreide, getrockneten Früchten und Insekten. Alles geschält, um nicht soviel Dreck zur habe. Sonst gibt's Ärger mit den Mitbewohnern im Haus.

      2. Ich habe beobachtet, dass mittlerweile zwei Katzen aus der Nachbarschaft mitbekommen haben, dass es am Futterhaus potentielle Beute gibt. Kann man hier auf einfache Art und Weise was zum Schutz der Vögel machen?