Überdüngung: Ursachen – Folgen – Maßnahmen

Wenn von Überdüngung bei Gewässern die Rede ist, sprechen die Fachleute von der sogenannten „Eutrophierung“. Ein Fremdwort, dass nichts anderes bedeutet als „gut nährend“. Es sind also viele Nährstoffe im Wasser, die von den Pflanzen benötigt werden. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um Nitrat und Phosphor. Nun könnte man meinen, dass dies kein Problem ist. Es handelt sich doch schließlich nur um natürliche Bausteine des Lebens, so wie für uns Menschen Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße. Ein Schlaraffenland für die Pflanzen! Doch leider ist dies nicht der Fall. Vielmehr kommt es bei der Eutrophierung zu einer Veränderung des Sauerstoffgehalts in den Gewässern, was letztlich einer Zerstörung der Lebensgrundlage vieler Lebewesen gleich zu setzen ist. Später mehr wie es dazu kommt.

Die Ursachen

Doch wie kommt es zu einer Überdüngung? Tatsächlich sind die Hauptverursacher viele landwirtschaftliche Betriebe. Und zwar immer dann, wenn Gülle aus Mastbetrieben zu einem Überangebot an Nährstoffen führt, die von den Nutzpflanzen nicht aufgenommen werden können. Alle überschüssigen Nährstoffe wie Nitrat und Phosphor werden dann durch Niederschläge ausgewaschen, fließen an der Oberfläche ab oder werden durch das Grundwasser ausgeschwemmt und gelangen am Ende in Seen oder Meere. Doch nicht nur die Landwirtschaft trägt zur Überdüngung bei! Auch jeder einzelne von uns hat seinen Anteil. In den meisten Waschmitteln sind Phosphate enthalten, die über das Abwasser abtransportiert werden und in den meisten Kläranlagen nicht aus dem Wasser gefiltert werden können. Damit gelangen auch auf diesem Weg eutrophierende Stoffe in die Gewässer. Einen weiteren Anteil haben der Verkehr und die Industrie. In Summe kommt damit laufend menschengemacht ein Vielfaches an Phosphor und Stickstoff in die Umwelt, als die natürlichen Systeme benötigen.

Die Folgen

Die Profiteure eines hohen Nährstoffangebots sind die Algen. Besonders einzellige Algen lieben dieses Lebensumfeld. Die Folge ist ein massiver Wuchs in der Nähe der Wasseroberfläche. Damit dringt zunehmend weniger Licht in die unteren Wassertiefen. Dies ist der Lebensraum größerer Algen und anderer Wasserpflanzen, die auf Grund des Lichtmangels absterben. Die abgestorbenen Pflanzenreste werden auf natürliche Weise durch Mikroorganismen zersetzt. Mit diesen Zersetzungsprozessen ist ein massiver Sauerstoffverbrauch verbunden. Die Folge ist eine dramatische Absenkung des Sauerstoffgehalts im Wasser mit fatalen Auswirkungen für andere Wasserbewohner. Verstärkt wird dieser Effekt noch durch die Bildung von Faulschlämmen, die giftige Stoffwechselprodukte, wie z.B. Methan enthalten. Letztlich kommt es zu einem Sterben von Fischen, Muscheln, Schnecken und anderen tierischen Bewohnern des Gewässers. Damit wird das Artensterben begünstigt. Das Ergebnis ist im besten Fall ein Verlust von Biodiversität. Es kann aber sogar zu einem „umkippen“ des Gewässers kommen. Je kleiner das Gewässer, um so höher das Risiko. Ist dieser Fall eingetreten, spricht man von einem biologisch toten Gewässer. In solch einem Gewässer sind nahezu alle Lebewesen abgestorben. Laut statistischem Bundesamt gibt es sogar in der Ostsee bereits tote Zonen, die sich auf über achtzigtausend Quadratmeter summieren.

Die Maßnahmen

Zunächst einmal ist es logisch, dass wirksame Maßnahmen dazu führen müssen, dass das Anreichern der Gewässer mit Nährstoffen verhindert wird. Dazu tragen die Vorgaben der europäischen Union bei, die entsprechende gesetzliche Regelungen von den Mitgliedstaaten verlangt. Somit ist es wichtig, dass auf die Proteste nicht mit einer Aufweichung der Regeln reagiert wird. Vielmehr ist die Politik gefordert, andere Wege zur Unterstützung der Landwirtschaft anzubieten. Besonders wir können aber einiges tun, um eine positive Entwicklung zu forcieren. An erster Stelle ist hier die Entscheidung zur Unterstützung der solidarischen Landwirtschaft zu nennen. Diese Form der Landwirtschaft ist gewässerfreundlich, weil hier nicht durch massive Düngung, sondern über eine laufende und nachhaltige Verbesserung der Bodenqualität (Humusbildung) Erträge erwirtschaftet werden. Aber auch der Kauf von herkömmlichen Bio-Produkten, bei denen in jedem Fall der Einsatz von nitrathaltigem Kunstdünger verboten ist, bedeutet einen wertvollen Beitrag. Fast selbstverständlich sollte es sein, dass im eigenen Garten kein Dünger zum Einsatz kommen sollte. Vielmehr ist hier die eigene Herstellung von Düngemitteln aus eigenen Pflanzenabfällen zu empfehlen. Ein paar Ideen findest du hier. Da neben der Landwirtschaft gerade auch Waschmittel ein Problem darstellen, ist es wichtig, möglichst gering zu dosieren, phosphatfreie Waschmittel zu kaufen oder auch hier auf eine selbst gemachte Alternative zurückzugreifen. Eine Idee zum Thema Waschmittel findest du hier.


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