Waldbaden

Los geht's

Sonntag, 11.00 Uhr. Treff- und Ausgangspunkt für das „Waldbad“ ist das naturnah gelegene Zuhause der Initiatorin. Vier Frauen und ein Mann nehmen heute teil. Erste Station: der kleine Meditationsraum im Haus. 25 Minuten still werden, den Alltag hinter sich lassen. Schon vorab wird erklärt, dass man danach schweigend in Richtung Wald aufbrechen werde.

Gemeinsam schweigen schärft die Sinne

Eine gute Regel, das Schweigen, das merkt man, als es schließlich los geht, gleich. Die Sinne sind geschärft. Man schaut und hört bewusster. Verstärkt wird diese neue Achtsamkeit durch Anregungen der Shinrin-Yoku (wie Waldbaden im Ursprungsland Japan heißt)-Anleiterin. „Jetzt nur schauen!“ „Jetzt nur hören!“ „Nehmt mal etwas Waldboden auf und riecht daran!“ Auch zu Tasten gibt es im Wald eine Menge. Raue Rinde. Weiches Moos. Feines Gras.

Kleine Rituale

Gelegentlich bleiben wir im Kreis stehen und vollführen kleine Übungen, Gesten und Worte, die uns unsere Verbindung zu Himmel und Erde bewusster machen. Einmal mehr wird mir klar, wie Bäume mit ihren tiefen Wurzeln und hohen Kronen genau für diese Verbindung stehen. Gut gefällt mir auch eine andere Übung. Wir tun uns zu zweit zusammen. Eine führt und die andere geht und schaut dabei in die Höhe. Was für ein wunderbarer Blick in die lichtdurchfluteten Baumkronen! Da gucken wir viel zu selten hin! Als Mensch vergisst man schnell, dass ein Baum eben nicht nur Stamm ist, wie uns die Eindrücke in Augenhöhe glauben machen wollen. Es wäre sicher faszinierend, wenn wir auch noch die Wurzeln wahrnehmen könnten. Ich fürchte, so ganz bekommen wir das Wesen der Bäume von der Erdoberfläche aus nicht zu fassen.

Kontakt

Eine Übung, in der wir Kontakt zu einzelnen Bäumen aufnehmen, scheint auch fester Bestandteil vom Waldbaden zu sein. Mal lehnen wir uns einfach so an, umarmen einen Baum oder betrachten ihn genau. Ein anderes Mal werden wir in die Begegnung mit Hilfe einer kleinen Geschichte, Traumreise oder Meditation herangeführt.

Wachsende Wertschätzung

Dieses aufmerksame Wahrnehmen des Waldes im Gesamten und der vielen einzelnen Bäume, Pflanzen und Tiere, die seine Natur ausmachen, lässt Wertschätzung und Empathie wachsen. Mein erster Waldbesuch fällt in eine extrem trockene Phase und ich bekomme wirklich Mitgefühl, mit der durstenden Pflanzenwelt, die hier um ihr Überleben kämpfen muss. Bäume (und nicht nur die) bekommen durch diese Art des Hinschauens und Hinfühlens durchaus wesenhafte Züge. Sie werden zu Individuen, zu unterschiedlichen Charakteren!

Keine reine Idylle

Aber man täusche sich nicht. Nirgendwo, auch nicht beim Waldbaden, herrscht nur eitel Sonnenschein. „Unser“ Wald ist keine reine Idylle. Müll liegt herum. Die nahe Autobahn ist nicht zu überhören. Und an diesem Sonntag nehme ich neben Harmonie und Schönheit auch intensiv wahr, wie sehr wir Menschen unseren Mitwesen zusetzen.

Erfrischend

Schweigend gehen wir schließlich zurück, sitzen noch einmal für 25 Minuten auf unseren Kissen, dann ist Zeit für Tee, Kekse und Unterhaltung. Ein kleiner Obolus von jeder Teilnehmerin wandert in die Spardose. Die wird einmal im Jahr geleert und der Inhalt geht als Spende an ein Baumpflanzprojekt.

Also ich persönlich fühle mich sehr erfrischt, ruhig und entspannt nach einem solchen Bad im Wald. Empfehlenswert!

    Kommentare 2

    • Schön geschrieben! Freue mich auf das nächste Waldbaden am 23.02.20

    • Super schön beschrieben, vielen Dank liebe Claudia!

      Ein weiteres Waldbad dieser Art findet statt am 03.12.

      Mit einer kurzen Anmeldung freuen wir uns über jeden, der/die es mal ausprobieren möchte.