Wie groß sollte der wöchentliche Ernteanteil sein - ein (noch nicht abgeschlossener) Erfahrungsbericht

Es gibt keine Patentrezepte

Eines muss ich gleich vorweg sagen: Das Patentrezept, wie man die unterschiedlichen Bedürfnisse aller Solawi-Mitglieder unter einen Hut bekommt, haben wir bis heute nicht gefunden. Wenn sowohl Familien mit mehreren Kindern, alte Ehepaare, junge von Zeitmangel geplagte Berufstätige und Alleinstehende die „Haushalte“ ausmachen, die einmal pro Woche unsere Kiste bekommen, dann sind unterschiedliche Wahrnehmungen vorprogrammiert. Was den einen noch ein bisschen knapp erscheint, stapelt sich beim anderen, der kaum dagegen an essen kann.

Faktoren, die eine Rolle spielen: Anbauplanung


In der Entwicklung, wie wir sie in den letzten Jahren genommen haben – wir versuchen schließlich immer besser zu werden! - sind einige Faktoren sichtbar geworden, die bei der leidigen Kistengrößenfrage eine Rolle spielen.

Gerade am Anfang, als das Jonglieren mit möglichen Mitgliederzahlen, noch eine sehr ungenaue Rechnung darstellte, haben wir, optimistisch wie wir waren, oft schlicht und ergreifend zu viel Gemüse angebaut. Wenn unser Gärtner seinen Anpflanzplan auf die 70 Mitgliederhaushalte, auf die wir in diesem Jahr zu kommen hofften, ausgelegt hatte, und wir doch nicht mehr als 55 wurden, gab es da einen Überschuss. Und da bei uns, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, der gesamte Vertrieb nur auf die Solawi ausgerichtet ist, quollen die Kisten in der Haupterntezeit üppig über! Zur großen Freude von Nachbarn, Freunden und Verwandten der Solawisten. Die bekamen damals manchen Salat, manche Möhre und Zucchini geschenkt.

Dass auch bei akurater Planung mal punktuell sehr viel Gemüse erntereif wird, erklärt sich aus einem weiteren Aspekt. Gute Gärtner planen einen kleinen Puffer ein, für den Fall dass einzelne Saaten nicht angehen, Jungpflanzen dem Wetter oder gefräßigen tierischen Mitkonkurrenten zum Opfer fallen. Wenn aber alles gut geht, und der Gärtner alles nach besten Kräften hegt und pflegt, dann wird der Puffer nicht als Puffer gebraucht, sondern addiert sich zum Erntesegen hinzu. Und dann gibt es viel Gemüse!

Flexibilität: Große Kisten, kleine Kisten?

Schon und gerade in diesen Anfangszeiten, kam immer mal wieder die Frage auf, ob wir denn nicht auch kleine Kisten, natürlich gegen einen kleineren Monatsbeitrag, anbieten könnten. Wir haben uns damals dagegen entschieden. Uns trieb, ich glaube zu Recht, die Angst um, dass die sowieso noch zu geringe Mitgliederzahl, ganz zu schweigen vom knappen Budget, mit so einem Angebot noch schrumpfen würde.

Als ersten Schritt in etwas mehr Flexibilität haben wir zumindest für die Abholer am Hof ein weiteres Angebot etabliert: etwas zusätzliches Gemüse, von dem sich nehmen kann, wer einen besonders großen Bedarf hat.

Mittlerweile stehen wir auf solideren Beinen, sowohl was Anbauplanung wie auch Mitgliederzahl angeht, und so ist es möglich geworden, dass doch einige kleinere Haushalte nur eine halbe Kiste beziehen. Sie machen das in Eigenregie, indem sie sich jemanden suchen, der einen Anteil mit ihnen teilt.

Uns gefällt auch die Idee einer Tauschkiste, wo man Sorten, die man nicht so gern mag hinein tun und dafür etwas anderes herausholen könnte. Doch hat sich das Ganze noch nicht so richtig etablieren können. (Wäre auch wieder nur für die Abholer ab Hof...)

Noch ein Faktor: Die Depots

Aus Großstädten, wie zum Beispiel Hannover, weiß ich, dass andere Solawis ganz ausgeklügelte Baukastensysteme für die Abnehmer anbieten. Vor allem wenn noch Fleisch und Milchprodukte dazu kommen, wird es wichtig, die Wünsche und Vorlieben der Mitglieder berücksichtigen zu können. Eine Voraussetzung für solche logistischen Herausforderungen liegt im Depotsystem der jeweiligen Solawi. Da muss nämlich sowohl die Belieferung gut organisiert und zudem ein Raum vorhanden sein, wo jeder sich das, was ihr zusteht, selbst aus Kühlung und Regalen nehmen kann. Für uns war klar, so etwas können wir nicht leisten. Die Kisten für die Depots werden von wechselnden Freiwilligen, die auch den Transport übernehmen, gepackt. Da ist es am praktischsten, wenn es keine Besonderheiten zu berücksichtigen gibt. Eines unserer Depots ist ein befreundeter Bioladen. Dort kann man wohl einen Stapel Kisten unterstellen. Alles einzeln, zum selbst Zusammenstellen, ins Kühlhaus zu packen, wäre jedoch unmöglich. Wenn es gelegentlich Fleisch gibt - unser Gärtner hält noch eine kleine Rinderherde - wird das extra verkauft. Und auch die Eier, die wir für eine Weile von einem Hof in der Umgebung, im Angebot hatten, wurden am Abholtag extra bezahlt…

Erfahrung

Und eines darf man nicht vergessen: auch Solawi-Gärtner müssen erst einmal Erfahrungen sammeln, bevor sie dann zu bewährten Routinen finden. Wie viele Sätze Jungpflanzen brauchen wir? In welchem Rhythmus setzen wir die Grundsorten, die es den ganzen Sommer über geben soll? Wann müssen die Paprikapflanzen im Folientunnel in die Erde, damit sie am Ende auch wirklich rot sind, beim Pflücken? Fragen, die sich manchmal erst durch Ausprobieren beantworten lassen.

Und so lernt man dazu und die die Planung wird von Jahr zu Jahr sicherer und besser. Ich finde, bei uns gelingt das schon sehr gut. Danke, liebe Gärtner!


Die Fotos stammen von der Autorin selbst.

    Kommentare 2

    • Wertschätzung für unsere Lebensmittel, das ist genau der entscheidende Punkt. Klar, wegwerfen oder schlecht werden lassen kommt beim guten Solawi-Gemüse nicht in Frage, geht gar nicht. Aber was tun, wenn der Anteil einfach zu groß ist? In meinem ersten Jahr in der Solawi habe ich meinen Anteil alleine gegessen - da gab's teilweise 3x am Tag Gemüse bzw. Salat. Aber ganz ehrlich, das ist mir zu extrem, ich will nicht unbedingt schon zum Frühstück Gemüse essen. Einfach weniger nehmen klappt auch nur bei Abholung direkt am Hof, ins Depot kommt die Kiste ja schon fertig gepackt. Jetzt teile ich mir die Kiste mit einer Freundin und von meiner Hälfte kriegt manchmal die Familie noch was ab, so geht's. Wie Claudia schon schreibt, so machen's mehrere bei uns. Aber es sind auch schon Anteilnehmer wieder aus der Solawi ausgestiegen weil ihnen das Gemüse zu viel wurde. Schade eigentlich, vielleicht wären die bei uns geblieben wenn sie nur einen halben Anteil hätten nehmen können....

      Wie handhabt ihr das in anderen Solawis und wie sind eure Erfahrungen damit?

    • da gibt es einen sehr guten Artikel in der aktuellen „Schrot&Korn“11, Claudia, der gut zu deinem Thema passt.

      Die Wertschätzung für unsere Lebensmittel und die damit verbundene Arbeit wieder herstellen, heisst es dort.

      Ein sehr wichtiger Punkt auch in den SoLaWi s, finde ich.