Arbeitswirtschaft - Jeder Handgriff zählt

Mithilfe: Segen und Herausforderung

In einer Solawi sollen, wenn möglich, die Mitglieder auch selbst bei den Arbeiten auf dem Feld Hand anlegen. Für die verantwortlichen Gärtner bedeutet das sowohl Unterstützung, wie auch Herausforderung! Denn so ein Arbeitseinsatz – bei uns waren es zwanzig Leute, die zur Möhrenernte am letzten Samstag erschienen sind – will erst einmal organisiert werden. Auch gute, verständliche Anweisungen für jeden Einzelnen/jede Einzelne sind wichtig, damit die versammelte vielköpfige wohlmeinende, aber nicht sonderlich erfahrene Helferschar von Nutzen werden kann.

Perfekte Abläufe bei der Möhrenernte

Also am Samstag, da hat das bei uns perfekt geklappt! Alles war bestens vorbereitet und es wurde keine kostbare Helferzeit mit „Wartet einen Moment, dass müssen wir erst noch holen“ verschwendet. Drei große Sammelbehälter für die geernteten Möhren standen neben den Reihen bereit. Egal, wo du gerade gearbeitet hast, eine war immer in deiner Nahe. Ein wenig versetzt, damit es nicht zu Verwechslungen kam, der Behälter für Futtermöhren. Der wurde mit den angeknabberten, aufgeplatzten oder arg beinigen Exemplaren gefüllt. Es standen auch eine Vielzahl von Eimern und Körben zur Verfügung. Genug, um jedes Zweierteam mit je einem Eimer für die „Guten“ und einem für die „Schlechten“ zu versorgen. So ausgerüstet verteilten sich die Helfer über die vier langen Rübenreihen. Sie stellten ihre Behältnisse in Mitte. Der eine erntete die beiden rechten Reihen, die andere die beiden linken. War ein Eimer voll, wurde er zum nächstgelegenen Sammelbehälter oder eben zum Futtermöhrenbehälter getragen und vorsichtig ausgeleert.

Bevor es wirklich losging, gab es noch eine kleine Arbeitseinweisung. Sehr hilfreich! Wir hatten nämlich schon angefangen, auf unsere übliche individuelle Art Möhrenernte zu betreiben. Ein Möhrchen rausholen, schön abwischen, Grünzeug abdrehen und ab ins Körbchen…

Dass das auch flotter geht, wurde bei den arbeitswirtschaftlich durchdachten Anweisungen schnell klar. „Holt ein ganzes Büschel Möhren heraus! Ein bisschen schütteln reicht, um die überschüssige Erde zu lösen. Haltet euch nicht mit putzen auf! Dann macht ihr das Grün ab, und legt die Möhre in den entsprechenden Eimer. Überlegt nicht zu lange, wohin er wohl gehört. Lieber eine mehr zu den „Guten“. Die werden sowieso noch einmal sortiert, wenn wir sie einlagern.“ Auf diese Art und Weise waren wir so schnell fertig, dass wir sogar noch die nebenan stehenden Reihen Rote Bete ernten konnten. Auch für diese war vorausschauend eine große Kiste auf der Schleppergabel deponiert!

Fazit: Kenntnisse in Arbeitswirtschaft stärken Solawis

In der ökologischen Landwirtschaft kommt man um Handarbeit an vielen Stellen nicht herum. Und wenn man, wie wir, bodenschonend arbeiten will, so weit wie möglich auf schweres Gerät auf den Äckern verzichtet und einzelne Gemüsesorten nicht auf großen Flächen in Monokultur, sondern in Reihen, abwechselnd mit anderen Sorten anpflanzt, dann erhält die Handarbeit beim Pflanzen, Hacken, Jäten, Ausdünnen und Ernten eine noch größere Bedeutung. Bei einer solchen Anbauweise kann man schnell an die Grenzen der eigenen Arbeitskapazitäten kommen. Dann wächst einem die Sache im wörtlichsten Sinne über den Kopf. Genau deshalb ist es so wichtig, hier effektive und zeitsparende Techniken zu entwickeln, beziehungsweise zu erlernen. „Jeder Handgriff zählt“, überschreibt das bayerische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sein diesbezügliches Seminarprogramm. Das trifft es meines Erachtens ganz gut. Und wenn man solche arbeitswirtschaftlichen Kniffe beherrscht, macht die Arbeit gleich viel mehr Spaß, denn das Gefühl, etwas geschafft zu haben, setzt deutlich eher ein.


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