Gelebte Elektromobilität

Ein Twizy ist kein Auto, sondern eine Lebenseinstellung...

Dieser Spruch „Ein Twizy ist kein Auto, sondern eine Lebenseinstellung“ stammt übrigens vom Renaulthändler meines Vertrauens, und er trifft die Sache ziemlich genau. Twizys sind nämlich eher so was wie überdachte Roller auf vier Rädern. Mangels geeigneterer Kategorien werden sie bei Versicherung und KfZ-Meldebehörden als Quad geführt. Die billigste Ausführung hat gar keine Türen. Meins ist immerhin schon mit den Flügeltüren, die so Ferrarimäßig nach oben aufgehen, ausgerüstet. Seitenfenster sucht man bei jedem Twizy vergebens, und es geschieht recht häufig, dass man von aufmerksamen Passanten angesprochen wird, man habe wohl beim Aussteigen vergessen, die Fenster hochzukurbeln… Man kann Twizys kaufen, in denen zwei hintereinander angeordnete Sitze die Mitnahme eines Beifahrers erlauben. Der muss aber recht abgehärtet sein, denn während der Fahrtwind an der Fahrerin noch überwiegend vorbei geleitet wird, schlägt er im hinteren Bereich ganz schön zu. Andere Modelle haben anstelle des zweiten Sitzes einen kleinen „Kofferraum“. Steuern braucht man für ein Twizy nicht zu bezahlen. Ich habe eine Vollkaskoversicherung für 200€ im Jahr abgeschlossen. Zu den anfallenden Kosten gehören neben dem Stromverbrauch (etwa 6 Kilowattstunden auf 100 Kilometer) auch die Leasingraten für den Akku. Die berechnen sich danach, wie viel man pro Monat fährt. Ich zahle derzeit 58 Euro. Das ist sozusagen ein Sparvertrag. Lässt der Akku nach, wird kostenlos eine neuer eingebaut.

Draußen kalt = drinnen kalt; draußen nass = drinnen „feucht“

Mit allen Vor- und Nachteilen, steht man im Twizy stets im direkten Kontakt zu Wetter und Umgebung. Innen- und Außentemperatur sind identisch. Blütendüfte strömen direkt hinein, genauso wie die Dieselwolken des Vorfahrenden oder das Güllearoma vom nahen Feld. Regen und Schnee können, wenn der Wind schön von der Seite kommt, ihre Spuren auf Gurten, Sitzen, Armaturen und Fahrerin hinterlassen. Meist geschieht das aber eher, wenn das Twizy irgendwo zum Parken abgestellt ist. Und praktischerweise sind für solche Fälle nicht nur im Boden sondern sogar in der Plastikschale des Sitzes kleine Abflusslöcher eingelassen.

Ich liebe es trotzdem - oder vielleicht sogar gerade deswegen!

Das klingt vielleicht erstmal ein wenig herausfordernd, aber es gibt so vieles, was wunderbar ist, am Twizy-Fahren. Los geht’s mit der langen Liste: Ein Twizy fährt sich wie ein Go-Kart. Witzig, spritzig. Automatik, sehr direkte Lenkung, gute Beschleunigung und außer einem leisen Sirren kein Geräusch! 80 Stundenkilometer kann man mit ihm fahren. Und etwas 80 Kilometer beträgt auch die Reichweite. Ein Twizy hat ein freundliches, rundäugiges Gesicht und sorgt, wohin man auch kommt für Lächeln und neugierige Fragen. Besonders Kinder bleiben immer stehen, wenn sie es sehen und freuen sich, so ein kleines Auto entdeckt zu haben. Parkplatzsorgen braucht man sich beim Twizy nicht mehr zu machen. So ein kleines Lückchen findet sich immer. Es ist herrlich, im Sommer Twizy zu fahren, und ich liebe auch die Fahrten durch kalte Winterluft. Dann wickle ich mich wie ein Kutscher in eine Decke ein, ziehe dicke Pulswärmer, Schal und Handschuhe an und ab geht die Post. Außerdem habe ich mir für wirklich harte Zeiten einen Satz aufmontierbarer Plastikseitenscheiben gegönnt. Die findige Twizy Gemeinde hat sich da schon was einfallen lassen. Alles in allem erfüllt das Twizy genau die Wünsche, die ich hatte, als ich es kaufte. Ich wollte ein Fahrzeug, das mich mit möglichst geringem Energieverbrauch und ohne stinkende Abgase von A nach B bringen würde. Komfort war mir egal. Es sollte klein und vor allem leicht sein. Wozu Tonnen von Metall bewegen, wenn ich doch meist allein unterwegs bin. Mir gefällt, dass es schnell genug ist, um ganz normal im Verkehr mithalten zu können, und ich bin froh, dass man es an einer normalen Steckdose aufladen kann. Das geht bei mir zu Hause ganz unproblematisch.

Grenzen im Alltag

Anfangs habe ich auch mal Fahrten unternommen, die über meine Reichweite hinausgingen. Das ist logistisch nicht ganz einfach. Du musst am besten im Vorfeld Stationen zum Aufladen festmachen. Für Abenteuerlustige eine tolle Sache, für Pragmatische, wie mich, eher nicht. Heute fahre ich längere Strecken mit der Bahn und habe festgestellt, dass mir das richtig Spaß macht. Im Winter können Eis und Schnee dem Twizyfahrer das Leben schwer machen. Zwar lasse ich jeden Herbst die Winterreifen aufziehen, doch wenn es sehr glatt wird auf den Straßen, dann bin ich doch immer ein bisschen bange, mit meinem leichten Gefährt. Vor allem die schlecht geräumte Strecke bergauf zu meiner Wohnung ist für das Twizy mit seinem Hinterradantrieb eine rechte Herausforderung. Das gerät schnell zur Rutschpartie. Derzeit ist mein Twizy ein armes 24-Stunden-Outdoor-Fahrzeug. Es hat keine Garage. Dabei glaube ich, dass es ihm besser bekäme, vor zu viel Hitze, Kälte und Nässe geschützt zu sein. Doch ich hab es schon getröstet und ihm Mut zum Durchhalten gemacht: Ein Carport ist in Planung.

    Kommentare 1

    • Total süß, man merkt, ihr beiden paßt zusammen.