Sport für die Umwelt: Ploggen

Eine neue Trendsportart in Rinteln? Etwas, was sich sonst eher in den Großstädten verbreitet hat? Und man braucht keine stylischen Extrakleidungsstücke und keine neuartigen Geräte dafür? Nur Gummihandschuhe und eine Tragetasche? Was soll das denn sein?Die Antwort bekommt man von Alexander Fonfara, der sich dieser neuen, aus Skandinavien stammenden Fitnessvariante verschrieben hat:


„Ploggen, heißt mein neuer Sport“, erklärt der passionierte Läufer und strahlt dabei Begeisterung aus. „Ich bin durch Berichte aus dem Internet darauf gestoßen.“ Beim Ploggen, einem Kofferwort, in dem das schwedische Wort für aufheben, „plocka“, mit dem Begriff „Joggen“ verbunden wird, geht es sowohl um sportliches Training wie auch um die saubere Umwelt, beides Themen, die für Fonfara von Bedeutung sind. „Man läuft dabei, wie gewohnt, seine Runden, aber hält auch die Augen offen für in der Landschaft herumliegenden Müll und sammelt den ein“, fährt der Rintelner fort.


Einmal pro Woche sei er nun in Sachen Ploggen unterwegs. „Ich laufe jedes mal meine Lieblingsstrecke, von der Ost-Contrescarpe, über die Exter am Hundeplatz vorbei in Richtung Extener Kirche. Davor biege ich auf den Feldweg nach Strücken ab, laufe an der Hauptstraße nach Exten zurück und komme dann mit einem Schlenker an den Sportplätzen und den Sassenbergschen Teichen wieder nach Rinteln.“ Zehn Kilometer lang sei diese Strecke, die Fonfara seit dem Frühjahr 2018 regelmäßig „ploggt“.


Müsste die jetzt nicht langsam ziemlich blank geputzt aussehen? „Weit gefehlt“, meint der Sportler. „Beim Müll in der Landschaft wird so gründlich für Nachschub gesorgt, dass man als Plogger nie arbeitslos wird.“ Dazu käme, dass die Kapazität seines mitgeführten Leinenbeutels eben auch begrenzt sei. Es gelte: Beutel voll, Schluss mit Sammeln. An diesem Samstag hätte er beispielsweise nur auf den ersten dreieinhalb Kilometern seiner Strecke Müll aufsammeln können. Dann war die Tasche voll.


Zum Glück geht es dem Rintelner auch nicht um ein perfektes Ergebnis. Sonst hätte er wohl längst frustriert aufgegeben. Ihn begeistert schlicht, wie leicht es mit dieser Sportart fällt, etwas doppelt Nützliches, eben etwas für Körper und Umwelt zu tun. Zudem könne man sowohl als Einzelner damit beginnen, oder sich, wie in den städtischen Metropolen üblicher, einem organisierten Plogging-Mob anschließen.


Ploggen ist auf der einen Seite für sportlich ambitionierte Menschen wie Fonfara geeignet. Der verbindet das Ploggen mit seinem wöchentlichen Regenerationslauf. „Zum Tempo- oder Intervalltraining passt es eher nicht.“ Doch genauso gut lässt sich die neue Sportart mit Just-for-fun-Runden oder auch Spaziergängen verbinden. „Ploggen hat sogar seinen ganz eigenen Trainingseffekt“, ist sich der Halbmarathonläufer sicher. „Das in die Knie gehen, das Bücken und auch das Tragen von etwas Gewicht sorgt für Abwechslung in den Bewegungsabläufen, was aus physiologischer Sicht durchaus erwünscht ist.“ Noch ein Wort zum Schluss?


„Das Ploggen hat meine Sinne für unser Problem mit dem Müll geschärft“, fasst Fonfara seine Erfahrungen zusammen. „Mir ist es jetzt auch im Alltag wichtig geworden, schon das Entstehen von Müll, vor allem von Plastikmüll, zu vermeiden. Man wird da echt bewusster.“ Und Mitstreiter würde er sich natürlich wünschen. „Damit auch die letzten Kilometer meiner Strecke mal ein bisschen aufgehübscht werden können“, lacht Fonfara und läuft los, natürlich nicht ohne noch schnell eine zuvor entdeckte Plastiktüte aus den Büschen zu zerren. Dort hat offensichtlich jemand den Inhalt seines Katzenklos entsorgt.