Regional, saisonal oder Bio…

Dann werfen wir doch mal einen Blick auf die wesentlichen Merkmale der Produkte mit ihren spezifischen Eigenschaften, Vor- und Nachteilen:

Regional

Regionale Produkte vermeiden lange Transportwege. Das macht sich in der Ökobilanz zunächst positiv bemerkbar. Es ist für jeden einleuchtend, dass eine Tomate aus Deutschland deutlich besser abschneidet, als eine Tomate aus Süditalien, die viele tausend Kilometer Lkw Transport hinter sich hat. Aber ganz so einfach ist es leider nicht. Es gibt durchaus Konstellationen, in welchen die Importware deutlich besser als das regionale Produkt abschneidet. Aber wie kann das sein? Wer z.B. regionale Äpfel der Importware vorzieht, muss bedenken, dass in Deutschland eine große Menge Energie für den Transport und die Lagerung in speziellen Lagerhäusern aufgewendet wird, um ganzjährig eine Versorgung mit regionalen Äpfeln sicherzustellen. Es gibt wissenschaftliche Studien, die belegen, dass hier der Energieaufwand fast genauso hoch ist, wie beim Schiffstransport aus Neuseeland oder anderen fernen Anbaugebieten. Auch ist zu beachten, dass der Begriff „aus der Region“ oder „regional“ nicht klar definiert ist. Es ist leider ein Irrglaube, dass ein solches Produkt in jedem Fall „vor der Haustür“ erzeugt wurde. Hier hilft nur ein Blick auf das Etikett, um die tatsächliche Herkunft zu erkennen. Auch die Verpackung kann ein entscheidender Faktor sein, welcher die Vorteile eines regionalen Produkts zunichtemacht. Aufwändige oder schwer zu recycelnde Verpackungen sind auch bei regionalen Erzeugnissen leider keine Seltenheit. Aber dennoch ist die Wahrscheinlichkeit, beim Kauf eines regionalen Produkts ökologisch die bessere Wahl zu treffen, groß. Häufig bekommt man für sein Geld zudem geschmacklich die bessere Qualität, Die Produkte können durch kürzere Transportwege ein Plus an Frische und natürlicher Reifung vorweisen. Weiterhin kann die Bevorzugung regionaler Lebensmittel einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz und zur Landschaftspflege leisten – man unterstützt dadurch beispielsweise den Anbau bestimmter regionaler Obstsorten und den Erhalt von Streuobstwiesen. Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass der Kauf von Produkten aus dem nahen Umfeld die Identität einer bestimmten Region stärkt, dass er heimische Kulturlandschaften mitsamt den zugehörigen landwirtschaftlichen Kenntnissen, Produkten und einheimischen Rezepten erhält.

Saisonal

Der saisonale Einkauf ist in der Regel auch ein regionaler Einkauf. Hier liegt die Herausforderung darin, zu wissen, was zur Zeit Saison hat. Der Supermarkt bietet schließlich alles jederzeit an, und auf dem Produkt ist nicht vermerkt, ob derzeit gerade "seine" Saison ist. Wie bereits am Beispiel des deutschen Lagerapfels erläutert, kann man allein aus der Herkunft nicht ableiten, ob Saison ist oder nicht. Es gibt hier sogar negative Extremfälle, wie zum Beispiel beim Spargel. Schon Anfang März wird einheimischer Spargel angeboten, obwohl da noch gar keine Spargelzeit ist. Möglich ist dies, weil einige Landwirte die Felder mit Folie abdecken und zusätzlich die Erde beheizen. Der damit verbundene Energieverbrauch führt in der Regel dazu, dass dieser eine schlechtere Klimabilanz hat als importierter Spargel. Erschwerend kommt in unseren Klimazonen hinzu, dass es Jahreszeiten gibt, in welchen das saisonale Angebot sehr beschränkt ist. Nur wenige Menschen, insbesondere, wenn sie sich vegetarisch oder sogar vegan ernähren, können oder wollen sich in dieser Zeit auf die wenigen verfügbaren Lebensmittel beschränken. Hier schafft nur eine frühzeitige Vorratshaltung in Form von Einkochen oder Einfrieren Abhilfe.

Bio

Zunächst ist festzustellen, Bio ist nicht gleich Bio. Es gibt mittlerweile verschiedene Standards. Neben dem Biosiegel der europäischen Union, welches die biologischen Mindeststandards sicherstellt, gibt es auch darüberhinausgehende „Qualität“. Zu erkennen sind diese Produkte zum Beispiel an einem Bioland oder Demeter Siegel. Doch ein Biosiegel sagt leider noch nichts über die ökologische Gesamtbilanz eines Lebensmittels aus. Ein gutes Beispiel ist hier die Avocado. Neben den langen Transportwegen schlägt hier der extrem hohe Wasserverbrauch (1.000 Liter je Kilogramm) negativ zu Buche. Insbesondere in trockenen Regionen, wie Spanien kann das zur Absenkung der Grundwasserspiegel führen, mit schwerwiegenden Folgen für ganze Landstriche. Auf der anderen Seite gibt es oft landwirtschaftliche Betriebe, die sich die teure Biozertifizierung nicht leisten können oder wollen, aber dennoch den Bio Standard erfüllen oder sogar übertreffen.

Fazit

Ohne zusätzliche Informationen ist häufig keine vernünftige Aussage möglich, welches Produkt die beste Wahl ist. Erstrebenswert wäre es natürlich, regional, saisonal und Bio einzukaufen. Grundsätzlich macht es aber Sinn, die regionale Landwirtschaft zu unterstützen, dabei sollte man überprüfen, ob es realistisch ist, dass dieses Lebensmittel aktuell saisonal verfügbar ist, und unter welchen Umständen es produziert wurde. Alles, was in Deutschland nie regional / saisonal verfügbar ist, sollte eine leckere Ausnahme bleiben. Die optimale Möglichkeit alle Kriterien eines „perfekten“ Lebensmittels sicherzustellen, ist die Mitgliedschaft in einer Solawi! Hier bekommt man ganz automatisch regionale Lebensmittel der Saison in Bioqualität!

Photo by Bev Lloyd-Roberts from FreeImages